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Anmerkungen
1 Ibn Sina (980–1037), Ibn Khaldun (1332–1406), Muhammad ’Abduh (1849–1905), Sayyid Ahmad Khan (1817–1898). 2 ’Abbâs Mahmûd al-’Aqqâd (1889–1964), Autor des Lebens Jesu: ’Abqariyyat al-Masîh (1952). Siehe Olaf H. Schumann, Der Christus der Muslime. Köln/Wien: Böhlau, 1988, S. 111–131; Fathi ’Uthmân (geb. 1928 in Oberägypten), Autor des Buches: Mit Christus in den vier Evangelien (Ma’a al-Masîh fi anâjîl al-arba’a) (1961). S. Olaf H. Schuman, op. cit., S. 132–146; Khâlid Muhammad Khâlid (geb. 1920), Autor des Werkes: Ma’an, ’ala al-tarîq, Muhammad wa-l-Masîh (Zusammen auf dem Weg – Muhammad und Christus, 1958), s. The Oxford Encyclopedia of the Modern Islamic World, II, 412–13. 3 Mohamed Arkoun (geb. 1928 in Algerien), Professor für islamische Ideen- und Kulturgeschichte an der Sorbonne in Paris; Nasr Abu Zaid (geb. 1943 in Ägypten), Professor für Islamwissenschaft in Leiden. 4 Geist und Leben, 46 (1973) 81–85. Dieses Zitat: S. 82. 5 Ein grob rechteckiges Gebäude, heute etwa in der Mitte der großen Moschee von Mekka gelegen. Sie ist das Zentralheiligtum des Islam. 6 Hidschra = Auswanderung des Propheten Muhammad von Mekka nach Yathrib (später Medina, i. e. „die Stadt [des Propheten]“ genannt) im September 622. 7 Werner H. Schmidt/Gerhard Delling führen im Wörterbuch zur Bibel (Hamburg: Furche 1971) S. 442, unter dem Stichwort Prophet Folgendes aus: „Der Prophet sagt Zukunft an; er geht nicht von der Gegenwart aus, um in eine unbekannte Zukunft hinauszuschreiten, sondern nimmt umgekehrt das kommende Geschehen vorweg. Er will zunächst auch nicht Gesetz verkünden, Schuld darlegen, die herrschenden Zustände kritisieren, sondern Gericht ankündigen oder Heil verheißen; die Gegenwart soll sich auf das einstellen, was bevorsteht. Erst die Ahnung der Zukunft führt zur Einsicht in die vorhandene Wirklichkeit und den Lauf der Dinge – nicht umgekehrt.“ 8 GRIC, Ces Ecritures qui nous questionnent: La Bible et le Coran [Befragt durch die Heiligen Schriften: Die Bibel und der Koran], Paris: Ed. Le Centurion, 1987, 160 pp. 9 Kenneth Cragg, Muhammad and the Christian: a question of Response. London: Darton, Longman and Todd, and New York: Orbis, 1987, 180 pp. 10 Lumen Gentium, 16 – Nostra Aetate, 3. 11 Was hier gesagt wird gilt, im Kontext des Dialogs zwischen einem Christen und einem Muslim, der seinem oder ihrem christlichen oder muslimischen Glauben treu bleiben will. Selbstverständlich hat der Christ die Pflicht, ebenso wie der Muslim vom recht verstandenen Koran her, jedem menschlichen Wesen die jeweilige Frohe Botschaft zu verkünden. Das Problem ist, wie dies geschehen sollte. Diese Frage liegt außerhalb des hier behandelten Fragenkomplexes. 12 How to Understand Islam (London: SCM Press, 1989), S. 140–148. 13 Siehe bes. die Kapitel: ‚Die Gottheit Jesu und die Inkarnation‘; ‚Kreuz, Sünde, Erlösung‘; ‚Gott der Dreieine‘. 14 Der Koran schließt an christliche Strömungen seiner Zeit an, die eine Dreiheit von Gott Vater, Gott Mutter und Gott Sohn kennen. „Im Arabischen Kindheitsevangelium etwa wird Maria wiederholt als ,erhabene, göttliche Maria‘ bezeichnet.“ Siehe Martin Bauschke, Jesus – Stein des Anstoßes (Köln: Böhlau, 2000), S. 155) 15 Die Begriffe Natur, Substanz und insbesondere Person entstammen der Philosophie der damaligen Zeit. Sie waren anders geprägt als heute. Der Inhalt des Dogmas kann nur dann richtig bewahrt werden, wenn diesen Begriffen der metaphysische Bedeutungsgehalt belassen wird, den sie zur Zeit der Konzilien hatten. So heißt „Person“ hypóstasis, d. h. Gott handelt und lebt in Beziehungen. Wenn man dagegen Person im Sinne von Persönlichkeit, d. h. als autonomes Zentrum psychologischen Bewusstseins nimmt, dann lässt man die Konzilien genau das Gegenteil von dem aussagen, was sie intendierten. „Person“ würde dann bezeichnen, was die Konzilien mit dem Begriff „Natur“ aussagen wollten. Daraus würde folgen, in Gott gebe es drei getrennte Naturen. 16 Will man die arabischen Termini aufnehmen, so sollte die Dreieinigkeit nicht durch das Nomen tathlîth sondern durch das Adjektiv thâlûth bezeichnet werden. Tathlîth vermittelt die Idee des Teilens einer Sache in drei Teile, was nicht sachgemäß ist. 17 Beim Gespräch über Jesus als den Sohn Gottes tut man gut daran, im Hinblick auf Sure 112, den Begriff ibn Allâh und auf keinen Fall walad Allâh zu verwenden. Das Arabische verwendet nur ibn im metaphorischen Sinn, z. B. ibn al-sabîl. Eine Aussage des berühmten muslimischen Gelehrten al-Birûnî (973– ca. 1050) ist hier von Interesse:
“Der Islam ist in der Anwendung der Begriffe Vater und Sohn auf Gott äußerst sorgfältig. Denn im Arabischen bedeutet das Wort Sohn (ibn) fast immer genau das, was Kind (walad) in der natürlichen Ordnung der Dinge bedeutet. Er verwendet ihn im Zusammenhang mit Elternschaft und Geburt. Nie und nimmer aber können sie von Gott ausgesagt werden. Andere Sprachen sind hier freier. Wenn in ihnen Kinder einen Menschen als Vater bezeichnen, meinen sie fast dasselbe wie wenn sie ihn als Herrn bezeichnen. So ist es bekanntermaßen auch bei den Christen … Mit dem Begriff der Sohn bezeichnen sie in besonderer Weise Jesus, aber sie wenden diesen Begriff auch auf andere an. Es ist Jesus, der seine Jünger auffordert, im Gebet zu sprechen: ‚Vater unser, der Du bist im Himmel‘. Als er sie über seinen kurz bevorstehenden Tod unterrichtet, sagt Jesus, er gehe zu seinem Vater und zu ihrem Vater. Häufig benutzt er das Wort Sohn, um sich selbst zu bezeichnen: er sei der Sohn des Menschen“ (al-Birûnî, Ta’rîkh al-Hind, Ed. Sachau, London 1919, Kapitel 3; Englischer Text: Bd. I, S. 36–39). 18 Diese Erklärung hat nichts zu tun mit dem so genannten Modalismus des dritten Jahrhunderts. Die Modalisten waren „Monarchianer“. Sie sagten: Es gibt nur einen Gott, den Vater. Jesus als Christus ist identisch mit dem Vater. Folglich sagten sie: Es ist der Vater, der Mensch wurde, litt und am Kreuz starb (Patripassionismus); der Sohn und der Geist sind nur verschiedene „Namen“. Diese Lehre, die in vielen Schattierungen und Farben auftrat, wurde zum Sabellianismus, nach Sabellius, der am Ende des dritten Jahrhunderts lebte. Schließlich, im vierten Jahrhundert, nahm sie die Gestalt des Arianismus an, der vorgab, der Sohn sei nicht mehr als eine Kreatur. All dies entwickelte sich als eine Reaktion gegen die Dreieinigkeit, um den Monotheismus zu betonen, der von der hellenistischen Philosophie (Stoa und Neo-Platonismus) herrührt. Es war das Konzil von Nizäa (325 n. Chr.), das diese Häresien verurteilte, mit der Versicherung, dass der Sohn ganz und gar wahrer Gott, „konsubstantiell“ mit dem Vater, und zugleich wahrer Mensch sei. 19 Wahhabiten sind Anhänger der Lehre des Muhammad Ibn Abd al-Wahhab (1703–93), der sich vehement gegen jede Mittlerschaft und Vermittlung zwischen Schöpfer und Geschöpf wandte, so etwa gegen Heiligenverehrung, schiitische Vorstellungen vom Imam, monistische Tendenzen der Philosophie und Mystik. 20 Wenn nicht anders vermerkt, wird katholisch hier dem Sprachgebrauch der Kirchen in Deutschland entsprechend im Sinne von römisch-katholisch, evangelisch im Sinne von protestantisch (lutherisch, reformiert) verstanden. 21 Während der ersten Jahrzehnte der Kirche wurden zunächst Erwachsene durch die Taufe in die Kirche aufgenommen. Die neutestamentlichen Texte belegen die Kindertaufe nicht sicher, schließen sie aber auch nicht aus (vgl. LTHK. 3. Aufl., Bd. V, 1448). Die Praxis, Kinder christlicher Eltern im frühesten Kindesalter zu taufen, wird damit begründet, dass Eltern ihr Kind im Glauben erziehen können, so dass es später bewusst sein eigenes Bekenntnis ablegt und sich als Erwachsener der Kirche verpflichtet. Einige Kirchen taufen nur Erwachsene und vertreten die Auffassung, dass die Kindertaufe dem Evangelium widerspricht. 22 Confessio Augustana, Nr. 7. 23 Zur Ausbildung s. Anm. 27. 24 Auf Gemeindeebene ist der Gemeindekirchenrat, auf Kirchenkreisebene die Kreissynode und zwischen den Synoden der Kreiskirchenrat, auf Landeskirchenebene die Landessynode und zwischen den Synoden die Kirchenleitung, auf der gesamtkirchlichen Ebene die Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland und zwischen den Synoden der Rat der EKD tätig. 25 Nr. 21: „in communione hierarchica“, vgl. auch Nr. 8 und Nr. 10. 26 Nicht selten werden die arabisch-muslimischen Termini ma’sûm und ’isma mit „unfehlbar“ bzw. „Unfehlbarkeit“ wiedergegeben. Sie drücken jedoch eher die Idee von „bewahren vor“ aus, und bedeuten meist genauer „Bewahrung von Sünde“. Dies kann sich auf die Propheten oder, wie bei den Schiiten, auf einen Imam beziehen. So wird der Begriff normalerweise eher im Sinne von „Sündenfreiheit“ als im Sinne von „Unfehlbarkeit“ verstanden. 27 Bevor er in eine Pfarrei gesandt wird, ist er in einem Seminar geistlich und theologisch ausgebildet worden. Nach seiner Ordination oder Priesterweihe durch den Bischof, die in einem besonderen, feierlichen Weiheritus geschieht, wird er von demselben Bischof zu einer bestimmten Gemeinde gesandt. Grundsätzlich besteht kein Widerspruch dagegen, dass ein Priester verheiratet ist. Im Mittleren Osten gibt es viele Priester, die verheiratet sind, und die meisten der orthodoxen Priester sind verheiratet und haben Kinder. Im Westen, in der Lateinischen Kirche, ist es seit dem 7. Jahrhundert kanonische Vorschrift, dass die Priester unverheiratet bleiben. Aber diese Vorschrift könnte geändert werden, denn die Priester sind nun einmal keine Ordensleute. Der Priester sollte nicht mit dem Ordensmann gleichgesetzt werden, selbst wenn viele Ordensleute auch Priester sind. Der Ordensmann oder die Ordensfrau sind Christen, die die Berufung haben, ihr Leben in besonderer Weise Gott zu weihen. Die Konsekration (Weihe) findet konkreten Ausdruck in den drei Gelübden der Armut, Keuschheit (Zölibat) und des Gehorsams. Die Ordensleute leben in Gemeinschaften (Konvent) unter der Autorität eines Oberen. Einige Orden widmen sich vor allem der Anbetung (Kontemplation). Andere sind vornehmlich mit geistlicher Lehre und/oder der Erziehung der Jugend beschäftigt, wieder andere mit medizinischer oder allgemeiner sozialer Hilfe usw. Was ihre Aktivitäten innerhalb einer Diözese angeht, so stehen die Ordensleute unter der Autorität des Bischofs. Auch im evangelischen Raum sind die kirchlichen Mitarbeiter theologisch ausgebildet; Pfarrerinnen und Pfarrer und leitende Theologen haben ein Hochschulstudium absolviert. Ihre Entsendung in die Gemeindearbeit oder andere kirchliche Aufgaben setzt meist die Ordination voraus. Andere kirchliche Mitarbeiter sind z. B. Diakone, Kirchenmusiker/innen, Kindergärtner/innen, Sozialarbeiter/innen. 28 Im 4. Jahrhundert verurteilte das Konzil von Nizäa (325) Arius und die Arianer, die den Sohn Gottes als eine Schöpfung des Vaters betrachteten. Heute leben arianische Vorstellungen bei den Unitariern fort, die den Glauben an die Trinität zurückweisen. Im 5. Jahrhundert verurteilte das Konzil von Ephesus (431) Nestorius und die Nestorianer, die dafür eintraten, dass in Christus zwei Personen existieren. Einige nestorianische Gruppen haben im Irak und im Iran unter dem Namen Assyrer überlebt. Die meisten von ihnen sind jedoch im Lauf der Geschichte der katholischen Kirche beigetreten. Sie tragen den Namen Chaldäer. Ebenfalls im 5. Jahrhundert verurteilte das Konzil von Chalzedon (451) Eutyches und die Monophysiten, die nur die göttliche Natur in Christus anerkannten. Der Monophysitismus wird von der koptischen Kirche von Ägypten und ihrer Schwesterkirche in Äthiopien vertreten, ebenso von den Jakobiten in Syrien, den „Syrianern“. Die Christen Syriens und Ägyptens, die den Monophysitismus ablehnten und die Definition des Glaubens des Konzils von Chalzedon annahm und dem Kaiser von Konstantinopel treu blieben, wurden Melkiten (abgeleitet von syrisch malkâyâ, d. h. „Leute des Kaisers“) genannt. Heute wird dieser Begriff auf die Christen des byzantinischen Ritus angewandt, die zu den Patriarchaten von Antiochien, Jerusalem und Alexandrien gehören, seien sie nun Orthodoxe oder Unitaten, d. h. mit Rom verbunden. Im 11. Jahrhundert fand ein großes Schisma statt zwischen der Kirche des Ostens unter der Autorität des Patriarchen von Konstantinopel, und der Kirche des Westens, geleitet vom Papst in Rom. Die Orientalische Kirche bezeichnete sich in der Folgezeit als orthodox (die wahre Lehre), die Römische Kirche als katholisch (universal). Im 16. Jahrhundert entstanden die Kirchen der Reformation. Durch das Wirken Martin Luthers (1483–1546) entstanden die lutherischen Kirchen, während die calvinistische oder reformierte Kirche auf Johannes Calvin (1509–64) zurückgeht. In England konstituierte Heinrich VIII. im Jahre 1531 die anglikanische Kirche. 29 Katholisch geht hier über römisch-katholisch hinaus. 30 Außerdem hat sich in jeder der orientalischen Kirchen eine Gruppe von Gläubigen wieder mit der katholischen Kirche vereinigt (Uniaten). Folglich gibt es orthodoxe und katholische Melkiten sowie orthodoxe und katholische Syrer. Dasselbe gilt für die Kopten, die Nestorianer, die Armenier. Dagegen sind die Maroniten alle katholisch. 31 Einige unter I. aufgelistete Fragen sind schon im Verlauf der Darstellung unter III. besprochen worden. 32 Siehe Anm. 24. 33 Um den „Reichtum“ (man denkt etwa an den Wert der „Kunstschätze“ des vatikanischen Museums) und die „Macht“ des Vatikans haben sich regelrechte Legenden gebildet. Ein Gutteil davon geht auf die frühere politische Macht des Papstes zurück. Heute wird das für die Verwaltung des Vatikans und für die Hilfen in der weltweiten Kirche notwendige Geld fast ausschließlich von den Gaben der Gläubigen aus der ganzen Welt aufgebracht. 34 In den evangelischen Kirchen kommt dem Wort Gottes Unfehlbarkeit zu. Beschlüsse der Synoden oder Kirchenleitungen wollen zwar bindend sein, sind aber immer auch revidierbar. 35 Zum System der idschmâ’ und zur Frage der Unfehlbarkeit in der Umma siehe oben S. 73. 36 Nach einer Tradition (Hadis) ist die Beschneidung für Jungen Pflicht, für Mädchen eine Wohltat; nach einer anderen Tradition soll die Beschneidung der weiblichen Klitoris nur teilweise geschehen. Die Beschneidung von Mädchen wird auch heute noch von muslimischen Rechtsgelehrten als der Scharia entsprechend gelehrt. Vgl. folgende Hadise: Ibn Hanbal Nr.19794; Abu Dawûd Nr. 4587; Ibn Mâdscha Nr. 600; At-Tirmidhî Nr. 101. Die weibliche Beschneidung wird bei Muslimen, aber auch Nichtmuslimen, besonders im afrikanischen Raum, praktiziert, vor allem deshalb, weil sie nach ihrer Ansicht den Kindersegen fördert. In nichtmuslimischen, ansatzweise auch in muslimischen Kreisen, wird dagegen die Beschneidung von Mädchen heute abgelehnt. Die Beschneidung der weiblichen Klitoris beeinträchtigt in viel elementarerer Weise als die Beschneidung der männlichen Vorhaut das Gefühlsleben. Der Vollzug birgt bei Vernachlässigung hygienischer Standards ein hohes gesundheitliches Risiko. Selbst in Deutschland stellt die Beschneidung von Mädchen weiterhin ein Problem dar. Sie wird strafrechtlich verfolgt. 37 Das im 2. Vatikanischen Konzil, Dekret über den Ökumenismus, Nr. 6 erneut unterstrichene Prinzip ecclesia semper reformanda (die Kirche muss ständig reformiert werden) ist ein Wesenszug der Kirche von Beginn an und war eine wesentliche Triebfeder der Reformation, die zu der Herausbildung der evangelischen Kirchen führte. 38 Der arabische Begriff hulûl bedeutet in der Alltagssprache etwa: Absteigen, Einkehr; Herabsteigen, Hereinbrechen; Eintritt (einer Zeit). In der islamischen Mystik bezeichnet er das in der Seele des Menschen einwohnende Licht. Er ist von christlichen arabischen Autoren auch zur Übersetzung der Inkarnation, der Menschwerdung Gottes in Christus, verwandt worden. Der Text des christlichen Credo in arabischer Sprache verwendet dafür den Begriff tadschassud, wörtl. Körperhaftwerdung. 39 Siehe oben, Anfrage 3. 40 Die Fâtiha (Sure 1) hat folgenden Wortlaut: „ 1 Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Barmherzigen. 2 Lob sei Gott, dem Herrn der Welten, 3 dem Erbarmer, dem Barmherzigen, 4 der Verfügungsgewalt besitzt über den Tag des Gerichtes! 5 Dir dienen wir, und Dich bitten wir um Hilfe. 6 Führe uns den geraden Weg, 7 den Weg derer, die Du begnadet hast, die nicht dem Zorn verfallen und nicht irregehen“ (Übersetzung A.Th. Khoury). 41 Die Ikonenmalerei kommt aus der byzantinischen Kunst und hat so Eingang in das Leben der Orthodoxen Kirchen gefunden. Eine Ikone (griechisch eikon) bedeutet Bild oder Ebenbild. Die Berechtigung zur bildlichen Darstellung wurde in biblischen Stellen wie Kolosser 1, 15 „Er (Christus) ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene der ganzen Schöpfung“ gesehen. Die Ikonen sind Darstellungen, die Christus und die Heiligen vergegenwärtigen. So sind sie Symbole des Geheimnisses Christi. Die Maler, meist Mönche, schreiben sozusagen das Evangelium in Farben und sollen dieses Amt in Heiligkeit ausüben. Die Bilderwand im Altarraum der orthodoxen Kirchen, die Ikonostase, bietet ein Ikonen-Ensemble. 42 Die Heiligen sind – nach katholischer Überzeugung – Männer und Frauen des Glaubens, die in ihrer Lebenssituation beispielhaft gelebt haben. Sie sind daher eine Ermutigung für den Glaubenden in den je verschiedenen Lebenssituationen. So ist z. B. die um ihren Sohn trauernde, ihren Schmerz tragende Mutter Jesu eine Quelle des Trostes für Frauen in den Nöten des Lebens. Aus dieser Sicht heraus sind es Katholiken gewohnt, Heiligen ihre Probleme und Nöte in Form von Bittgebeten anzuvertrauen. Heilige sind auch vertraute Begleiter im Leben, in deren Schutz man sich geborgen fühlt, wie z. B. in Haus und Familie, im Straßenverkehr, auf einer Reise, bei Krankheit und schließlich im Tod. Der heilige Josef z. B. wird als Patron für einen guten Tod verstanden. Evangelische Christen beziehen vorbildliche Zeugen des Glaubens nicht in ihr Gebet ein. Dagegen machen sie von deren Gebetstexten Gebrauch. 43 Siehe Anm. 40. 44 Für das gemeinsame Rezitieren der Fatiha setzt das voraus, dass das Abirren vom „geraden Weg“ in Vers 7 nicht auf Juden und Christen bezogen wird. 45 Die Handreichung des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland: Zusammenleben mit Muslimen in Deutschland. Gestaltung der christlichen Begegnung mit Muslimen, Gütersloh 2000, S. 1165f. sieht bei Räumen, die allein dem christlichen Gottesdienst gewidmet sind, schon wegen der üblichen Raumgestaltung (Kreuz, Bilder) keine Möglichkeit, sie zeitgleich auch Muslimen zur Verfügung zu stellen. Das gilt für andere Räume im Besitz einer Kirchengemeinde so nicht. Hier sind landeskirchliche Regelungen durchaus möglich. – Was Kirchen betrifft, die nicht mehr gemeindlich genutzt werden, so ist bisher in Deutschland anders als in einigen europäischen Nachbarländern keine Kirche an einen Moscheeverein verkauft worden, um in eine Moschee umgewandelt zu werden. Für die Zukunft wird dies jedoch nicht ausgeschlossen. 46 Im 20. Jahrhundert finden sich entsprechende Aussagen etwa in den apologetischen Schriften der bedeutenden Reformer Muhammad ’Abduh (Ägypter, gest. 1905), Rashîd Ridâ (Syrer, gest. 1935) und des algerischen ‘âlim Ibn Badîs (gest. 1940). 47 Siehe oben: Muhammad – Prophet. 48 Al-Baydâwî (gest. um 1290) ist ein bekannter, vielzitierter Korankommentator. Sein Kommentar ist weitgehend eine Revision und Zusammenfassung des berühmten Korankommentars des al-Zamakhschari (gest. 1144). 49 Der berühmteste Anwalt einer solchen Reform war der al-Azhar Scheich ’Ali ’Abdurrâziq. In seinem im Jahre 1925 veröffentlichten Werk Al-Islâm wa usûl al-hukm („Der Islam und die Wurzeln der Macht“ [franz. Übers. L. Bercher, in Revue des Etudes Islamiques, 1933/III und 1934/II. Der Text dieser Übersetzung zusammen mit einer eingehenden Würdigung des marokkanischen Gelehrten Abdou Filali Ansari in: Ali Abderrazik, L’Islam et les Fondements du Pouvoir, ed. Abdou Filali Ansari, Paris: Éditions Découverte, 1994]) legte er dar, dass die Botschaft des Koran wesentlich religiös sei und dass die Organisation eines muslimischen Staates keineswegs zum eigentlich prophetischen Auftrag Muhammads gehört habe. ’Abdurrâziq wurde von seinen Kollegen verurteilt. Ihrer Meinung nach stellt die medinensische Periode mit ihrer Betonung der sozialen und politischen Seite der Botschaft der Offenbarung die konstitutive Entwicklung und Vervollkommnung des prophetischen Auftrags und der prophetischen Karriere dar. Deshalb müssen muslimische Denker, die für die Trennung von Staat und Religion eintreten, den Koran in einer Weise auslegen, die – jedenfalls auf einer ersten Ebene – nicht übereinstimmt mit der muslimischen Tradition, wie sie sich seit der medinensischen Periode der Karriere des Propheten durchgehend artikuliert hat. Die Anhänger ’Ali ’Abdarrâziqs versuchen dagegen, ihre Glaubensgenossen davon zu überzeugen, dass die traditionelle Auslegung irrt. 50 Besonders zu nennen sind hier die Muslimbrüder des Hasan al-Bannâ (1906–1949) und die Jamâ’at-i Islâmî des A. A. Maudûdi (1903–1979). 51 Platon war der Ansicht, dass der Mensch im wesentlichen Seele sei, eingesperrt in den Körper, von dem sie sich zu befreien versucht, um frei von jeglichem Hindernis ihren Weg zu Gott zu finden. Die platonische Konzeption vom Menschen hat einen tiefgreifenden Einfluss auf das christlichen Denken bis in unsere Zeit gehabt. Heute ist unter dem Einfluss der modernen Anthropologie eine starke Tendenz erkennbar, zur biblischen Konzeption des Menschen zurückzukehren. 52 Hinsichtlich der Pflichten des Christen gegenüber heidnischen Herrschern siehe: Röm 13,1–7; 1 Tim 2,1–2; Tit 3,1; 1 Petr 2,13–15. 53 Es ist besser, Gott als den Menschen zu gehorchen (Apg 4,19; 5,29; vgl. Mt 10,18). 54 Bis vor kurzer Zeit war gemäß den Aussagen offizieller Dokumente der christliche Staat die ideale Situation für die Christen, selbst wenn die Päpste, beginnend mit Papst Leo XIII. (gegen Ende des 19. Jahrhunderts) die Unterscheidung von Kirche und Staat (gegen die Idee des theokratischen Staates) verkündeten und den Staat an seine Pflicht erinnerten, die Vorrechte Gottes und seiner Kirche zu beschützen. Vgl. auch die Enzyklika „Immortale Dei“ Papst Leo XIII., vom Jahre 1885 (DH 3168) und die Dogmatische Konstitution über die Kirche („Lumen Gentium“) des Zweiten Vatikanischen Konzils, Nr. 38) 55 Dies wird besonders deutlich in der Erklärung über die Religionsfreiheit „Dignitatis Humanae“, in der anerkennt wird, dass „gewiss bisweilen im Leben des Volkes Gottes … eine Weise des Handelns vorgekommen [ist], die dem Geist des Evangeliums wenig entsprechend, ja sogar entgegengesetzt war.“ (Nr. 12) 56 Vgl. „Dignitatis Humanae“ (Nr. 4); „Gaudium et Spes“ (Nr. 76) und das Dekret über die Hirtenaufgabe der Bischöfe in der Kirche „Christus Dominus“ (Nr. 19–20). 57 Die marxistische Utopie dagegen gibt vor, im Lauf der Geschichte die vollkommene Versöhnung der Gegensätze bewirken zu können. 58 Vgl. die Pastorale Konstitution über die Kirche in der Welt von heute „Gaudium et Spes“ (Nr. 43), ein Text, der die Relevanz, aber auch die Transzendenz des Evangeliums gegenüber jeglichem politischen Programm hervorhebt. 59 Das Christentum ist dazu geführt worden, seine geoffenbarten Quellen einer neuen, kritischen Prüfung zu unterziehen, und islamisches Denken sieht sich heute mehr und mehr vor dieselbe Herausforderung gestellt. Dies geschieht besonders unter dem Druck humanistischer und säkularistischer Bewegungen, die die Autonomie weltlicher Strukturen betonen, und aufgrund der historischen Erfahrung, die gezeigt hat, wie die enge Verquickung mit der Politik den wahren Geist der Religion entstellen kann. Das führt einige Denker in manchen islamischen Ländern dazu, für die Unabhängigkeit des Islam gegenüber dem Staat, bzw. des Staates gegenüber dem Islam einzutreten. Vgl. oben, Anm. 49. 60 Die Texte des Zweiten Vatikanischen Konzils, bes. die Erklärung über die Religionsfreiheit „Dignitatis Humanae“, „Gaudium et Spes“ und die Enzyklika „Populorum Progressio“ sind dabei nützlich. 61 Das Zweite Vatikanische Konzil lädt Christen und Muslime ein, „gemeinsam einzutreten für Schutz und Förderung der sozialen Gerechtigkeit, der sittlichen Güter und nicht zuletzt des Friedens und der Freiheit für alle Menschen“ (Erklärung über das Verhältnis der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen „Nostra Aetate“, Nr. 3). 62 Siehe Hans Bauer, Islamische Ethik. Nach den Originalquellen übersetzt und erläutert. Heft II. Von der Ehe (Das 12. Buch von al-Gazâli´s Hauptwerk [Ihyâ ’Ulûm al-dîn]. Halle: Max Niemeyer, 1917. (photomechanischer Nachdruck Hildesheim: Olms Verlag, 1979) 63 Ebd. S. 48. 64 Mit der „Erklärung über die Religionsfreiheit“ (Dignitatis Humanae) hat sich die Katholische Kirche unwiderruflich dem Grundsatz der religiösen Freiheit in der Gesellschaft verpflichtet. 65 Manche Muslime sind der Überzeugung, dass dieses „verfälschte“ Evangelium in jüngster Zeit wieder ans Licht gekommen ist, und zwar dank der „Entdeckung“ des „Evangeliums des Barnabas“. In Wahrheit stellt dieses jedoch eine Fälschung aus dem 16. Jahrhundert dar, entweder seitens eines andalusischen Muslim, der gewaltsam zum Christentum konvertiert worden war, oder aber seitens eines Muslim, der in Venedig lebte. Vgl. Christine Schirrmacher, Der Islam, Band. 2 (Neuhausen/Stuttgart: Hänssler, 1994), S. 268–289. 66 Al-Wâdi al-Muqaddas (Das heilige Tal), Kairo, Dar al-Ma’ârif, 1968. Engl. Übersetzung: The Hallowed Valley. A Muslim Philosophy of Religion. Cairo 1977. 67 Vgl. ebd. S. 31. 68 Auch der Koran spricht von der Liebe Gottes in Worten, die eine starke menschlich-emotionale Resonanz haben: mahabba, mawadda, rahma. 69 Dieser Punkt wurde von dem großem muslimischen Gelehrten al-Bîrûnî (973– ca. 1050) sehr klar gesehen. Vgl. die relevanten Zitate im Kapitel: „Gott, der Dreieine“, S. 60 ff. und im Kapitel: „Die Gottheit Jesu“, S. 23 ff. 70 Siehe Kapitel: Die Kirche. 71 In einer tiefgründigen Reflexion über Sure 33,72 erklärt freilich der bekannte zeitgenössische Denker Muhammad Talbi (geb. 1921 in Tunis), wie Gott die „amâna“ (das anvertraute Gut des Glaubens, bzw. die Verantwortung für die „Regierung“ der Welt) den Himmeln, der Erde und den Bergen antrug, diese jedoch ablehnten, während der Mensch dumm genug war, sie zu akzeptieren. In dieser Annahme sieht Talbi die „tragische“ Seite der menschlichen Bestimmung (s. Comprendre [Paris], Nr. 98, Nov. 1970).
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