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Frage 85: Was denken Sie über die Evolutionstheorie? (TR)
Antwort: Der Katholische Erwachsenen-Katechismus (hrsg. von der Dt. Bischofskonferenz im Jahre 1985) schreibt auf S. 93f zu diesem Fragenkomplex: „Wenn wir die theologische Aussageabsicht der biblischen Schöpfungsberichte von deren weltbildbedingter Einkleidung unterscheiden, stellt sich das entscheidende Sachproblem: das Verhältnis Schöpfung und Evolution. Die meisten Vertreter der heutigen Naturwissenschaft gehen von der Hypothese aus, dass alles materielle Sein auf dem Weg der Evolution zu immer höheren Seins- und Lebensformen geführt wird bis zum Menschen, dem Ziel der Evolution. Danach wäre die Welt vor etwa 12 Jahrmilliarden, unsere Erde vor etwa 5-6 Milliarden Jahren entstanden, vor etwa 3 Milliarden Jahren das erste Lebewesen aufgetreten, während sich menschliches Leben „erst“ seit rund 2 Millionen Jahren findet.
Wie verhält sich diese Auffassung zum Schöpfungsglauben? Selbstverständlich ist die materialistische Entwicklungslehre abzulehnen, die eine ungeschaffene Materie annimmt, aus der alle Lebewesen, auch der Mensch, nach Leib und Seele durch rein mechanische Entwicklung entstanden sind. In dieser weltanschaulichen Weise wird die Evolutionslehre heute von den allermeisten Wissenschaftlern nicht mehr verstanden. Heute setzt sich nämlich immer mehr die Meinung durch, dass die Schöpfung and Evolution Antworten auf jeweils ganz verschiedene Fragen sind and deshalb auf verschiedenen Ebenen liegen. Evolution ist ein empirischer Begriff, der auf die Frage nach dem „horizontalen“ Woher und dem raum-zeitlichen Nacheinander der Geschöpfe eingeht. Schöpfung dagegen ist ein theologischer Begriff und fragt nach dem „vertikalen“ Warum und Wozu der Wirklichkeit. Evolution setzt immer schon „etwas“ voraus, das sich verändert und entwickelt; Schöpfung zeigt, warum und wozu überhaupt etwas ist, das sich verändert und entwickeln kann. Um beide Sichtweisen zu verbinden, sagen heute viele Theologen: Gott schafft die Dinge so, dass sie ermächtigt sind, bei ihrer eigenen Entwicklung mitzuwirken. „Gott macht, dass sich die Dinge selber machen“ (P. Teilhard de Chardin). Dabei wirkt Gott nicht nur am Anfang, um dann die Entwicklung sich selbst zu überlassen. Er hält die Wirklichkeit ständig im Sein, und trägt und leitet sie auch in ihrem Werden. Gott ist also die alles umgreifende schöpferische Macht, die eigentätiges geschöpfliches Mitwirken freisetzt und durchwaltet. Gerade in ihrer schöpferischen Kraft sind die Geschöpfe ein Abbild des schöpferischen Gottes. Schöpfungsglaube und Evolutionstheorie widerstreiten also einander nicht grundsätzlich; beide Aussagen geben vielmehr eine Antwort auf ganz verschiedene Fragen; sie liegen auf verschiedenen Ebenen und sind verschiedenen Erkenntnisweisen zugeordnet.
Trotz dieser notwendigen Unterscheidungen geht es in Naturwissenschaft und Theologie nicht um zwei Welten, die nichts miteinander zu tun hätten. Es geht um die eine und selbe Wirklichkeit, die unter verschiedenen Aspekten betrachtet wird. Deshalb können Naturwissenschaft und Theologie nicht achtlos aneinander vorbeigehen; sie sind vielmehr auf ein wechselseitiges Gespräch angewiesen.“
Frage 86: Wie ist es mit der Ehe zwischen den verschiedenen Konfessionsangehörigen? Dürfen Katholiken, Protestanten und Orthodoxe unter sich heiraten? (TR)
Antwort: Das Kirchenrecht der römisch-katholischen Kirche regelt im Codex Iuris Canonici (CIC) vom Jahre 1983 die Fragen der Ehen zwischen Christen, die verschiedenen christlichen Konfessionen angehören in den canones 1124ff.
Can. 1124 — Die Eheschließung zwischen zwei Getauften, von denen der eine in der katholischen Kirche getauft oder nach der Taufe in sie aufgenommen worden ist und nicht durch einen formalen Akt von ihr abgefallen ist, der andere Partner aber einer Kirche oder kirchlichen Gemeinschaft zugezählt wird, die nicht in voller Gemeinschaft mit der katholischen Kirche steht, ist ohne ausdrückliche Erlaubnis der zuständigen Autorität verboten.
Can. 1125 — Eine solche Erlaubnis kann der Ortsordinarius [d.h. der zuständige Bischof] gewähren, wenn ein gerechter und vernünftiger Grund vorliegt; er darf sie nur erteilen, wenn die folgenden Bedingungen erfüllt sind: 1° der katholische Partner hat sich bereitzuerklären, Gefahren des Glaubensabfalls zu beseitigen, und er hat das aufrichtige Versprechen abzugeben, nach Kräften alles zu tun, dass alle seine Kinder in der katholischen Kirche getauft und erzogen werden; 2° von diesen Versprechen, die der katholische Partner abgeben muss, ist der andere Partner rechtzeitig zu unterrichten, so dass feststeht, dass er wirklich um das Versprechen und die Verpflichtung des katholischen Partners weiß; 3° beiden Partnern sind die Zwecke und die Wesenseigenschaften der Ehe darzulegen, die von keinem der beiden Eheschließenden ausgeschlossen werden dürfen.
Can. 1126 — Aufgabe der Bischofskonferenz ist es, sowohl die Art und Weise festzulegen, in der diese Erklärungen und Versprechen, die in jedem Falle erforderlich sind, abgegeben werden müssen, als auch zu bestimmen, auf welche Weise diese sowohl im äußeren Bereich feststehen als auch dem nichtkatholischen Partner zur Kenntnis gebracht werden sollen.
Can. 1127 — § 1. Was die Eheschließungsform bei einer Mischehe betrifft, sind die Vorschriften des can. 1108 zu beachten; wenn jedoch ein Katholik eine Ehe mit einem Nichtkatholiken eines orientalischen Ritus schließt, ist die kanonische Eheschließungsform nur zur Erlaubtheit einzuhalten; zur Gültigkeit aber ist unter Wahrung der sonstigen Rechtsvorschriften die Mitwirkung eines geistlichen Amtsträgers erforderlich. § 2. Wenn erhebliche Schwierigkeiten der Einhaltung der kanonischen Form entgegenstehen, hat der Ortsordinarius des katholischen Partners das Recht, davon in Einzelfällen zu dispensieren, jedoch erst nach Befragen des Ordinarius des Eheschließungsortes und unbeschadet der zur Gültigkeit erforderlichen Einhaltung irgendeiner öffentlichen Eheschließungsform; es ist Aufgabe der Bischofskonferenz, Vorschriften zu erlassen, nach denen die genannte Dispens in einheitlicher Weise zu erteilen ist. § 3. Es ist verboten, vor oder nach der kanonischen Eheschließung gemäß § 1 eine andere religiöse Trauungsfeier zur Abgabe oder Erneuerung des Ehekonsenses vorzunehmen; gleichfalls darf keine religiöse Feier stattfinden, bei welcher der katholische Assistierende und der nichtkatholische Amtsträger zugleich, jeder in seinem Ritus, den Konsens der Partner erfragen.
Can. 1128 — Die Ortsordinarien und die anderen Seelsorger haben dafür zu sorgen, dass es dem katholischen Ehegatten und den Kindern aus einer Mischehe nicht an geistlicher Hilfe zur Erfüllung ihrer Pflichten fehlt; sie sollen den Ehegatten helfen, die Einheit im Ehe- und Familienleben zu pflegen.
Frage 87: Jesus sagt: „Ich bin nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandt.“ (Mt 15,24) Lehnt hier Jesus alle Menschen ab, die nicht jüdischer Abstammung sind? Oder doch nicht? (TR)
Antwort: Zunächst der Gesamttext dieser Perikope des Matthäusevangeliums, 15,21-28:
„Von dort zog Jesus in das Gebiet von Tyrus und Sidon zurück. Da kam eine kanaanäische Frau aus jeder Gegend zu ihm und rief: Hab Erbarmen mit mir, Herr, du Sohn Davids! Meine Tochter wird von einem Dämon gequält. Jesus aber gab ihr keine Antwort. Da traten seine Jünger zu ihm und baten: Befrei sie (von ihrer Sorge), denn sie schreit hinter uns her. Er antwortete: Ich bin nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandt. Doch die Frau kam, fiel vor ihm nieder und sagte: Herr, hilf mir! Er erwiderte: Es ist nicht recht, das Brot den Kindern wegzunehmen und den Hunden vorzuwerfen. Da entgegnete sie: Ja, du hast recht Herr! Aber selbst die Hunde bekommen von den Brotresten, die vom Tisch des Herrn fallen. Darauf antwortete ihr Jesus: Frau, Dein Glaube ist groß. Was du willst soll geschehen. Und von dieser Stunde an war ihre Tochter geheilt.“
Wir sehen die Szene des Evangeliums, voller Leben und Spontaneität. Matthäus beschreibt sie mit ihrer beeindruckenden Dynamik.
Von Zeit zu Zeit zog wanderte Jesus über die Grenzen Palästinas hinaus in heidnische Gebiete. Diesmal ist er in das Gebiet der Städte Tyrus und Sidon gezogen, nördlich des Heiligen Landes. Und siehe, da begegnet ihm und seinen Jüngern eine Kanaanäerin, die aus dieser Gegend kommt. Sie beginnt zu rufen: „Hab Erbarmen mit mir, Herr, Sohn Davids. Meine Tochter wird von einem Dämon gequält.“
Es ist ein Schrei um Hilfe aus großer Bedrängnis, aus dem liebenden Herzen der Mutter. Die Tochter dieser Frau ist grausam gepeinigt; deshalb wendet sich die Frau an Jesus. Sie wird von ihm gehört haben, von seiner Güte zu den Kranken, von seinen Wundertaten an ihnen. So wendet sie sich an ihn mit einer konkreten Bitte und mit intensivem Glauben.
Aber diesmal legt Jesus eine überraschende Haltung an den Tag: er hört nicht auf diese intensive Bitte; ja, er spricht noch nicht einmal ein Wort zu dieser Frau. Er zeigt, dass er nicht intervenieren will, dass er seine Wunderkräfte nicht in den Dienst selbst einer so hart geprüften Frau stellen will.
Die Jünger wenden sich an ihn und bitten ihn etwas für diese Frau zu tun; sie sagen ihm: ‚Befrei sie (von ihrer Sorge), denn sie schreit hinter uns her.’ Allerdings, was die Jünger antreibt, sich für die Frau einzusetzen ist nicht so sehr das Mitleid mit der Mutter als die Unannehmlichkeit, die ihr lautes Rufen um Hilfe darstellt. Denn sie wird von vielen Leuten gehört und lenkt die Aufmerksamkeit auf die Gruppe der fremden Juden. Die Jünger Jesu handeln also aus Angst und einem gewissen Unwillen.
In dieser Situation erklärt Jesus, warum er nicht intervenieren will: dies gehört nicht in den Rahmen seiner Sendung. Er sagt: „Ich bin nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandt.“ Jesus, der Sohn Gottes, ist sich bewusst, dass während der Zeit seines irdischen Lebens seine Sendung auf das Volk Israel beschränkt ist. Jesus, mild und demütig, möchte nicht diese ihm gesetzten Grenzen überschreiten, möchte nicht Initiativen ergreifen, die in seiner Sendung nicht vorgesehen sind. Dies ist eine Manifestation großer Demut, großer Fügsamkeit Gott dem Vater gegenüber. Trotz des Mitleids, das er spürt, möchte Jesus hier nicht mit einem Wunder intervenieren.
Aber diese Frau verliert die Hoffnung nicht; im Gegenteil. Sie nähert sich Jesus, wirft sich vor ihm nieder und sagt ihm: „Herr, hilf mir!“ Jesus gibt eine Antwort, ähnlich der von ihm eben schon gegebenen. „Es ist nicht recht, das Brot den Kindern wegzunehmen und den Hunden vorzuwerfen.“ Es ist dies ein hartes Wort Jesu: die kanaanitische Frau wird mit einem Hund verglichen.
Die Frau könnte sich, beleidigt durch solch eine Redensweise, zurückziehen, und könnte Jesu einfach verlassen, ohne nach dieser seiner Absage ein weiteres Wort an ihn zu richten. Aber, statt sich beleidigt zu fühlen, bleibt sie bei ihrer Bitte und findet eine Weise, insistierend zu bitten, die dem harschen Wort Jesu entspricht; sie sagt: „Ja, du hast recht Herr! [Sie akzeptiert also das Wort Jesu, aber fügt zugleich hinzu:] Aber selbst die Hunde bekommen von den Brotresten, die vom Tisch des Herrn fallen.“
So zeigt auch diese Frau große Demut: sie akzeptiert, mit einem Hund vergleichen zu werden. Aber es gelingt ihr, diesen Vergleich zu benutzen, um auf ihrer Bitte zu beharren: wenn die Hunde kein Recht haben auf das Brot der Söhne, so können sie sich doch ernähren von den Brotresten, die von den Tischen ihrer Herren fallen. Es ist wirklich bewundernswert: all diese Kraft, die diese Frau anwendet um ihre Tochter zu retten!
Jesus sagt ihr darauf: „Frau, Dein Glaube ist groß! Was du willst soll geschehen!“ Jesu bewundert den Glauben dieser Frau, bewundert ihr Insistieren in beharrlichem Bitten. Deshalb willigt er ein, die Grenzen seiner Sendung zu überschreiten. Er sagt zur Frau: „Was du willst soll geschehen.“ Und von diesem Augenblick an ist die Tochter der Kanaanäerin geheilt.
Obwohl die Sendung Jesu seitens des Vaters begrenzt ist, hat er gemeint, sich darüber hinwegsetzen zu können, denn der Glaube dieser Frau war sichtlich inspiriert vom himmlischen Vater. Deshalb hat er sich vom Vater bewegt gefühlt, ihr ganz und gar Mitleid zu zeigen. So erweist diese Perikope des Evangeliums die universale Öffnung Jesu auf alle Menschen hin, die an seine Macht und Sendung glauben.
Frage 88: Warum verflucht Jesus den Feigenbaum? Was ist die Schuld eines einfachen Baumes? (TR)
Antwort: Die Antwort umfasst zwei Schritte:
1. Die Bedeutung symbolischer Handlungen bei den Propheten. Bereits die alten Propheten der Bibel wie Samuel, 1 Samuel 15,27-28, Ahija von Schilo, 1Kön 11,29-39 (oder der falsche Prophet Zidkija, 1 Kön 22,11-12), vollzogen bei ihrer Verkündigung symbolische Handlungen, nicht so sehr um ihre Hörer stärker zu beeindrucken, sondern wegen der Wirkmächtigkeit dieser Zeichen: Es entsteht ein realer Zusammenhang zwischen der Zeichenhandlung und der Wirklichkeit, die sie bezeichnet, so dass die angekündigte Wirklichkeit jetzt ebenso unwiderruflich wird wie die vollzogenen Zeichenhandlung. Dieses Verfahren findet sich praktisch bei all den großen Propheten des Alten Testamentes wieder: bei Hosea z.B., dessen ganze Sendung von einer sinnbildlichen Handlung geprägt wird, die das Schicksal seines Lebens bestimmt, Hos 1-3; seltener bei Jesaja, vgl. jedoch Jes 20 und die Symbolnamen, die er seinen Kindern gibt, Jes 7,3 (vgl. 10,21); 8,1-4; 8,18). Jeremija vollzieht oder deutet zahlreiche sinnbildliche Handlungen und Vorgänge; auch Ezechiel vollzieht symbolische Handlungen. Wie Hosea deutet er seine eigenen Prüfungen als sinnbildliche Geschehnisse. Zeichenhandlungen kommen auch im Neuen Testament vor, so eben auch der von Jesus verfluchte Feigenbaum, Mt 21,18-19/Mk 11, 12-14.20-24.
2. Die Erzählung von der Verfluchung des Feigenbaumes durch Jesus. Wie die Propheten der Vergangenheit vollzieht Jesus hier eine Zeichenhandlung, in welcher der Feigenbaum das unfruchtbare und darum bestrafte Israel darstellt. Der Feigenbaum gedeiht bei genügender Bewässerung und etwaiger Düngung auch auf kargem, steinigen Boden; daher ist ein unfruchtbarer Feigenbaum ein berechtigtes Ärgernis. Natürlich geht es hier nicht darum, einen Baum zu verfluchen, so als wäre er ein mit freiem Willen ausgestattetes Wesen. Es geht auch nicht darum, die Menschen zu tadeln, die den Baum möglicherweise nicht genügend gut behandelt haben. Vielmehr geht es hier wie bei allen Zeichenhandlungen um den Sinn des Zeichens. Dieser hat es zu tun mit dem Fehlen an wahrem Glaube bei den Zuhörern Jesu. Der Text im Matthäusevangelium zeigt Jesus in strafender Strenge.
Die Lektüre der Parallelstelle im Markusevangelium (11,12-14.20-24) zeigt, wie diese Episode vom Autor des Markusevangeliums nachträglich in einen ihm wohl vorgegebenen Zusammenhang eingefügt wurde, und zwar in zwei Stufen: zuerst die Verfluchung, dann die Verdorrung – ein späterer Zusatz, der aus dem so ergangenen Fluch eine Lehre über die Wirksamkeit des gläubigen Gebets herauslesen wollte.
Frage 89: Was bedeuten nach christlichem Verständnis die Begriffe “Mensch” und “Leben”? (TR)
Antwort: Selbstverständlich kann diese weit ausgreifende Doppelfrage in diesem Rahmen nicht adäquat beantwortet werden. Auf ein paar Aspekte sei jedoch hingewiesen:
1. Mensch Was hält der christlichen Glaube vom Menschen? Worin besteht nach dem christlichen Glauben seine Würde?
Der Mensch ist von Gott geschaffen, als sein Ebenbild, er ist Geist und Leib, zur Gemeinschaft mit Gott bestimmt. Darauf beruhen sein Rang und seine Würde.
Von Gott geschaffen: Damit haben manche Leute Probleme, weil man von der Entwicklung des menschlichen Körpers aus dem Tierreich spricht. Aber warum soll es nicht zu Gottes Schöpfungsplan gehören, dass die Geschöpfe selbst Gottes Werk weiter entfalten: Er selber gibt ihnen die Kraft dazu. Die Kirche hält aber fest: Jede einzelne menschliche Seele wird von Gott geschaffen. Zu jedem einzelnen Menschen, der ins Leben tritt, sagt Gott: Dich will ich! Vater und Mutter wirken bei diesem göttlichen Schöpfungsakt mit, sie stellen Gottes Liebe dar. Aber jeder Einzelne von uns ist Gottes Geschöpf. Unser ganzes Dasein verdanken wir ihm.
Gottes Ebenbild: Die Bibel sagt dies ausdrücklich in der Schöpfungsgeschichte. Wir fragen natürlich: Worin sind wir denn Gott ähnlich? Durch unseren Vorrang vor allen Geschöpfen, der sich schon körperlich an unserem aufrechten Gang zeigt, erst recht aber geistig durch unsere Seele, unseren Verstand und unseren freien Willen. Alles richtig, aber noch nicht das Wichtigste. Der Mensch ist das einzige irdische Geschöpf, das Gott hören und ihm antworten kann. Wir sind Partner Gottes. Für die ganze Schöpfung können allein wir bewusst Gott danken und seine Herrlichkeit preisen. Das kann der Mensch vergessen oder verdrängen, aber nicht abschütteln. Er bleibt Partner Gottes.
Wir müssen den Rang und die Würde des Menschen bei uns selber und bei anderen achten, ohne Rücksicht auf Geschlecht, Bildung, Religion, Rasse. Wir müssen auf unsere Gesundheit und unseren guten Ruf bedacht sein und uns gegen jede Erniedrigung des Menschen wehren. Vor allem: Wir müssen immer wieder das Gespräch mit Gott suchen.
Die höchste Auszeichnung des Menschengeschlechts besteht darin, dass Gottes Sohn selber Mensch geworden ist. Jesus ist in einem noch viel höheren Sinne als wir Gottes Ebenbild. Er will aber auch uns erheben und unsere Ähnlichkeit mit Gott vollenden. Wir sollen Kinder Gottes sein, Söhne und Töchter des ewigen Vaters. Und er will uns einst ganz, also mit Leib und Seele, in seine Herrlichkeit aufnehmen. Seit unserer Taufe tragen wir dieses Leben, diese Herrlichkeit Gottes schon in uns.
Es gilt also, dem guten Bild zu entsprechen, das Gott von uns hat. Wer wir sind – durch Gottes Gnade – das dürfen wir nicht aus den Augen verlieren.
2. Leben Was für den gläubigen Christen Leben bedeutet wird deutlich, wenn wir das Geheimnis der Auferstehung Jesu von den Toten betrachten. Ostern, das Fest der Auferstehung Jesu des Messias, ist das Fest des Lebens. In welchem Sinn?
Schon das Alte Testament sieht Gott als den Lebendigen, der Leben schafft. So hoffte das Volk Israel zur Zeit der Propheten. Gott gibt das Leben der Menschen nicht endgültig dem Tode preis. Diese Hoffnung war zuerst nur undeutlich vorhanden, später, in Not- und Verfolgungszeiten, flammte sie mächtig auf: Er wird am Ende sogar die Toten auferwecken! So bedeutet die Auferstehung Jesu, dass diese Endzeit angebrochen ist. Gottes Reich hat angehoben, die neue Schöpfung hat begonnen. Deshalb wird ja in der Osternacht der Text von der Erschaffung der Welt vorgelesen. Das ist die erste Schöpfung. Mit der Auferstehung Jesu setzt die neue Schöpfung ein. Unsere Augen werden auf die Zukunft gerichtet: Gott wird Sieger bleiben, Gerechtigkeit und Liebe werden über Unrecht und Hass den Sieg davontragen. Wir selber werden auferstehen. Die ganze Welt wird verwandelt werden in neues Leben. Alles wird aufleben: auch das Gute, das einer im Verborgenen getan hat.
Am Ostertag finden wir für Gott einen neuen Namen: Gott des Lebens, der die Toten erweckt. Und unser ganzes Denken und Fühlen wird auf die Zukunft gerichtet: Christus ist auferstanden, Gott wird uns mit ihm zum ewigen Leben auferwecken. Nicht der Tod hat das letzte Wort, sondern das Leben. Gott garantiert es. Auf ihn ist auch noch Verlass, wenn alle unsere Möglichkeiten zerbrechen. Wer das glaubt, bekommt eine neue Richtung in seinem Leben. Für den ist nicht mehr entscheidend, was er hier und heute „von seinem Leben haben“ kann, sondern was Gott mit uns machen wird. Auf ihn können wir uns ganz einlassen!
Natürlich soll das nicht heißen, dass Christen weltfremde Menschen werden sollen. Wir sollen uns gewiss einsetzen, sollen uns mühen für uns und für andere. Aber, es macht einen gewaltigen Unterschied, ob man sich abmüht ohne Aussicht, dass es jemals besser wird auf der Welt – oder ob man sicher ist, dass am Ende alles in den Sieg Gottes mündet! Gerade weil wir mit Jesus Sieger sind, können wir mit Zuversicht das Gute tun und Leid tragen. Ohne die Hoffnung zu verlieren. Das ist der Osterglaube. (Adaptiert aus: Winfrid Henze, Glauben ist schön. Harsum, 2001. S. 51-53; 89f.)
Frage 90: Jesus sagt im Evangelium: “Dem, der etwas gegen den Menschensohn sagt, wird vergeben werden; wer aber etwas gegen den Heiligen Geist sagt, dem wird nicht vergeben...” (Mt 12,32). Ist der Geist höher als den Sohn? Hatten sie nicht alle drei das gleiche Wesen? (TR)
Antwort: Der Mensch ist entschuldbar, wenn er sich der Gotteswürde Jesu gegenüber irrt, die durch die Niedrigkeitsgestalt Jesu als „Menschensohn“, 8,20, verhüllt ist.; nicht zu entschuldigen aber ist der Mensch, wenn er seine Augen und sein Herz vor den offenkundigen Werken des Heiligen Geistes, die Jesus vollbringt, verschließt. Indem er sie auf gottfeindliche Kräfte zurückführt und so Jesus zu Gegnerschaft zu Gott bringt, weist er das höchste Anerbieten Gottes an ihn ab und stellt sich außerhalb des Heiles, vgl. Hebr 6,4-6; 10,26-31.
Frage 91: Warum und wie wird jemand heiliggesprochen? (TR)
Antwort: Begriff Heiligsprechung bedeutet das feierliche Urteil des Papstes über das geglückte Leben von Dienern und Dienerinnen Gottes, „die dem Vorbild Christi besonders gefolgt sind und durch das Vergießen ihres Blutes (Martyrer) oder durch heroische Tugendübung (Bekenner) ein hervorragendes Zeugnis für das Himmelreich“ abgelegt haben. Indem die Kirche durch Heiligsprechung amtlich bestätigt, dass sie „die Tugenden heldenhaft geübt und in Treue zur Gnade Gottes gelebt haben“, anerkennt sie zugleich „die Macht des Geistes der Heiligkeit, der in ihr ist. Sie stärkt die Hoffnung der Gläubigen, indem sie ihnen die Heiligen als Vorbilder und Fürsprecher gibt.“ Diese amtliche Gewissheit rechtfertigt den öffentlichen Kult der Heiligen.
Verfahren Nach formeller Seligsprechung (Beatifikation), die nur eine begrenzte päpstliche Kultgenehmigung, z.B. für eine Ortskirche, für eine Ordensgemeinschaft oder für ein bestimmtes Land zum Gegenstand hat, bezieht sie Heiligsprechung auf die Aufnahme in das Verzeichnis der Heiligen, „canon“, daher auch die Bezeichnung „Kanonisation“. Außer einer hinreichenden Verehrung durch die Gläubigen ist ein zeitlich nach der Seligsprechung auf die Fürsprache des Seligen, in einem getrennten Verfahren zu belegendes Wunder erforderlich. Einen Rechtsanspruch auf Heiligsprechung nach erfolgreich abgeschossenem Verfahren gibt es nicht. Die Besonderheit des Seligsprechungs- bzw. Heiligsprechungsverfahrens besteht darin, dass sie nur eine Schlussfolgerung darstellen, die auf ein mögliches Urteil des Papstes gerichtet ist, das dieser in Würdigung des Prozessergebnisses frei fällt, d.h., dass er bestätigen, aber auch ablehnen kann. Beides kommt vor.
Theologischer Sinn Durch Heiligsprechung anerkennt die Kirche nicht primär das Streben nach persönlicher Vollkommenheit in der Nachfolge Christi, wenngleich dies auch mitgemeint ist; auch ist Heiligsprechung in einer nicht nur auf das individuelle Heil der Menschen ausgerichteten Theologie mehr als die Erlangung des heroischen Tugendgrades im Sinne eines Ansporns zur vorbildlichen Nachahmung; Heiligsprechung ist Selbsterkenntnis der Kirche, vom Zweiten Vatikanischen Konzil an der Nahtstelle des endzeitlichen Charakters der pilgernden Kirche und ihrer Einheit mit der himmlischen Kirche behandelt (Lumen Gentium 48-51). Heilige sind nicht einfach Heroen und Tugendhelden, sondern die Verwirklichung der konkreten Heilszusage Christi an seine Kirche. Indem sich die Kirche für sie verbürgt, bekennt sie sich zu sich selbst als „unzerstörbar heilig“. Und zugleich zu ihrer Geschichte. Heiligkeit vollzieht sich deshalb nicht als abstraktes Ideal eines übernatürlich begründeten Sollensauftrags, der als solcher immer einem immer gleichen Schema zu folgen hätte; Heiligkeit gewinnt vielmehr stets neue, konkrete und damit geschichtlich einmalige Gestalt, die sich in kein vorgefertigtes Schema pressen lässt. Die enorme Vielfalt der Heiligen, ihrer jeweils verschiedenen Temperamente und Lebensläufe bestätigt dies. (siehe W. Schulz, art. „Heiligsprechung“, in: Lexikon für Theologie und Kirche, Bd. 4 (Freiburg: Herder, 1995)
Frage 92: Was sind Stigmata? (TR)
Antwort: Begriff Stigma, pl. Stigmata ist ursprünglich ein griechisches Wort und meint profan ein eingebranntes oder tätowiertes Mal als Schmuck, Stammes- oder Eigentumszeichen bei Tieren, Gefangenen oder Sklaven.
Im Kontext der Passionsmystik bedeutet Stigma das unfreiwillig somatisch sichtbare Auftreten („eigentliches Stigma“) oder unsichtbare Schmerzempfinden („unsichtbares Stigma“) der „Wundmale Christi an Lebenden (an Füßen, Händen und Körperseite. Die Male sind therapieresistent, aseptisch, bluten periodisch (oft im zeitlichen Zusammenhang mit liturgischen Passionszeiten).
Geschichte Bis ins Mittealter ist das Phänomen der Stigmatisation nicht belegt. Der erste belegte Fall einer eigentlichen Stigmatisation ist die des Franziskus von Assisi (am 14. 9. 1224) auf dem Berg Laverna (Toskana). Nach der Vision des Seraphs zeigen sich bei ihm stets plastische Male der Nägel und der Seitenwunde. Von Franziskus stets verborgen, macht sein Gefährte Elias von Cremona dies posthum in einem Rundbrief an den Franziskanerorden publik. Die Nachwirkung ist frappant und zeigt sich in der wachsenden Zahl der Stigmatisationen, je nach Zählung bis heute 350 oder mehr Fälle, darunter Katharina von Siena (1375), Veronica Giuliani (1697), A. K. Emmerick (1813), Th. Neumann (1926).
Theologische Beurteilung Die Kirche begegnet der Stigmatisation mit Zurückhaltung und Vorsicht. Bei prinzipieller Offenheit für Wunder gilt es, das Phänomen im Kontext der jeweiligen Biographie und der Intentionen zu beurteilen (im Sinn einer „Unterscheidung der Geister“ in medizinischer, psychologischer und theologischer Perspektive). Von betrügerischen Stigmatisationen abgesehen bleibt eine Spannbreite zwischen Autosuggestion und Charisma, naturaler und supranaturaler Entstehung. Der Zusammenhang zwischen Stigmatisation und Heiligkeit ist nicht zwingend, authentische Stigmatisation aber kann ein kategoriesprengender Verweis auf die Bedeutung von Kreuz und Leiden Jesu Christi sein. Es gilt hier, was für katholische Christen allgemein im Hinblick auf Wunder gilt: Für einen Christen, der die Geschichte der Kirche studiert, sind Wunder in Vergangenheit und Gegenwart möglich, selbst wenn bei ihrer Verifizierung die strengsten Kriterien angewandt werden müssen. (siehe: Andreas-Pazificus Alkofer, art. „Stigma“ im Lexikon für Theologie und Kirche, Bd. IX (Freiburg: Herder, 2000).
Frage 93: Warum hat Jesus seine Botschaft und seine Lehre nicht niederschreiben lassen? (TR)
Frage 94: Die Evangelien weisen viele Unterschiede in Detail aus. Wenn es der gleiche Geist ist, der die Verfasser inspiriert hat, warum hat er die Details unterschiedlich inspiriert? (TR)
Antwort: 1. Der Fragende lese erneut aufmerksam im oben wiedergegebenen Buch Kapitel 1: „Die Heilige Schrift und das Wort Gottes“ und dann, besonders im Hinblick auf Frage 1. b., unsere Antwort auf Frage 60 auf Seite 7 oben, darüber, warum es vier verschiedene Evangelien gibt.
Die Frage, warum Jesus seine Botschaft und seine Lehre nicht hat niederschreiben lassen, entsteht aus der klassischen islamischen, auf dem Koran (vgl. Sure 2, 136) basierenden, Lehre, dass einigen herausragenden Propheten wie z. B. Moses (Mūsā), Jesus (‛Īsā), Muhammad von Gott direkt jeweils eine Schrift übermittelt wurde, Moses die Thora, Jesus das Evangelium und Muhammad der Koran (Qur’ān). Die jeweilige Schrift, zunächst im Herzen und auf den Lippen des jeweiligen Propheten in Wortform, wurde gemäß diesem Glauben dann sehr bald ohne irgendeine Veränderung der Worte, auch schriftlich festgehalten und zwar in Form einer Buchrolle oder eines Kodex. Hier sind zwei Dinge implizit mitbehauptet: einmal, dass diese Propheten auch tatsächlich in dieser Weise den Wortlaut einer Schrift erhalten haben und ferner, dass das, was sie mündlich verkündet haben, d. h. die ihnen nach ihrem Glauben von Gott mitgeteilte Botschaft, genau so, ohne jegliche Änderung auch nur eines Buchstabens, eine bleibende, unveränderte schriftliche Form gefunden hat. Wir lassen hier offen, wie weit diese Sicht der Dinge historisch zuverlässig nachgewiesen werden kann.
Was Jesus von Nazareth angeht, so ist es jedenfalls der ausnahmslose Konsens der kritischen nichtchristlichen und christlichen Forscher, dass er zu keinem Zeitpunkt beansprucht hat, ihm sei von Gott der Wortlaut einer bei Gott schon existierenden Heiligen Schrift – sie wird in der islamischen Tradition mit dem Wort indschïl bezeichnet – geoffenbart worden, noch, dass er daraufhin selbst oder mit Hilfe seiner Jünger dieser so verstandenen Botschaft die schriftliche Form eines einzigen Buches, genannt indschil, verliehen habe.
Den Vorgang der “Schriftwerdung” der Botschaft Jesu, besser, den Vorgang der Entstehung der Schriften, die später gesammelt dann als „Neues Testament“ zur normativen Schrift der Kirche wurden, hat man sich im Konsens mit der kritischen Forschung so vorzustellen, wie es der bekannte katholische Theologe Otto Hermann Pesch darstellt: “Jesus selbst beruft sich auf ‘die Schrift’, auf ‘das Gesetz und die Propheten’ (vgl. Matthäusevangelium 22,40), es enthält [so lehrt Jesus] Wort und Wille Gottes. Aber es ging dann mit ihm [Jesus], mit seinem Leben, Sterben und Auferstehen, mit seinem Wort und seinen Wirken noch einmal ähnlich wie mit den Ereignissen im Alten Testament und mit den Worten des Mose und der Propheten. Man erzählte sich zuerst mündlich von ihm – im Gottesdienst, in der Glaubensverkündigung, man überlieferte seine Worte. Erst später schrieb man zunächst einzelne und dann immer mehr Worte von ihm auf, man erklärte seine Person und das, was sie für die Glaubenden bedeutete. Geschichte, Wort und Deutung wuchsen schließlich wieder unter den Händen begabter Schriftsteller und Theologen zur Gesamtdarstellung zusammen, die wir – dem ersten Satz des ältesten von ihnen folgend – „Evangelien“ nennen (vgl. Mk 1,1). Hinzu gesellten sich noch „Hirtenbriefe“ verschiedener Apostel, Missionare und Gemeindeleiter, vor allem des Paulus.“
„So entstand eine neue Büchersammlung, das ‚Neue Testament’. Und wie das Volk Israel aus den Büchern des Alten Testaments den Glauben an Gottes Nähe in der Geschichte des Volkes lernte, so lernen die Christen aus dem Neuen Testament den Glauben an Gottes endgültige und unwiderrufliche Nähe zu allen Menschen in seinem Sohn, dem gekreuzigten und auferweckten Jesus Christus. Darum ist das Neue Testament ‚Heilige Schrift’ wie das alte Testament. In ihm hören wir genau das ‚Wort Gottes’ wie wir es im Alten Testament hören. Die Heilige Schrift des Alten Testaments ist dadurch nicht außer Kraft gesetzt. Es ist derselbe Gott, an dessen Handeln im Volk Israel und an dessen Erscheinung in Jesus Christus wir glauben. Beide Testamente zusammen, das eine als Buch der Verheißung, das andere als Buch der Erfüllung, sind die eine Heilige Schrift – gleichsam die Gründungsurkunde des Glaubens und der Kirche. Die Frage: Darf man der Bibel glauben? – ist damit beantwortet. Denn sie beantwortet sich von selbst. Wir glauben ja, weil die Bibel uns dazu einlädt. Ohne die Bibel wären wir keine Christen, weil wir ohne sie gar nicht glauben würden. Es ist ähnlich, wie wenn wir uns angesichts eines geliebten Menschen fragen würden: Darf ich diesen Menschen lieben? Wenn wir ihn lieben, dann lieben wir ihn eben und fragen nicht mehr, ob wir das dürfen. So ist es auch mit den Glauben gegenüber der Bibel: Ihr Wort lädt uns zum Glauben ein. Wenn wir daraufhin an Gott glauben, dann glauben wir eben. Die Bibel hat uns dann so überzeugt, dass wir gar nicht mehr fragen, ob wir das ‚dürfen’.“
Die Bibel als menschliches Buch
[Freilich]…wollen wir wissen, ob auch alles so im Einzelnen passiert ist, wie wir es in der Bibel lesen: vor allem die seltsamen Geschichten vom wunderbaren Eingreifen Gottes in den Gang der Ereignisse. Immer wieder hören wir von ‚Bibelkritik’, von „kritischer Bibelwissenschaft“, die die Berichte der Bibel mit den Kenntnissen vergleicht, die wir aus anderen Quellen über die Zeit und Umwelt der Bibel haben, und dann zu dem Schluss kommt: So kann es nicht gewesen sein, hier hat sich Geschichte mit Legende vermischt, hat die religiöse Deutung auf die Darstellung der Sache abgefärbt…“
„Hier müssen wir uns etwas Wichtiges einprägen: Die Bibel enthält Gottes Wort, aber im Menschwort verborgen. Je mehr wir daher die Bibel zunächst als menschliches Buch ganz ernst nehmen, desto besser. Das heißt aber: Ihre Verfasser waren Kinder ihrer Zeit – was sich schon darin zeigt, dass sie in der Sprache geschrieben haben, die man gerade in ihrer Umgebung sprach: Hebräisch oder Griechisch. Sie haben ihre Bücher so geschrieben, wie man damals Bücher schrieb. Weil man zum Beispiel gut erzählte Geschichten noch mehr liebt als heute, haben die biblischen Schriftsteller auch Geschichten in ihre Bücher hinein genommen oder sogar sich selber welche ausgedacht, um damit zu veranschaulichen, was sie sagen wollten. Und selbstverständlich haben sie ihre Bücher geschrieben, um für den Glauben an Gott zu werben, von dessen Handeln sie kündeten. Wen wundert es, dass dann die gläubige Deutung und der Bericht zusammenwachsen? Es ist auch gar nicht erstaunlich, dass in ihre Bücher allerlei von dem eingeht, was man sonst so dachte, unanhängig vom Glauben, zum Beispiel über den Aufbau des Weltalls, über das Ende der Welt usw. Ein Schulbuch moderner Art, wo schön klar eins nach dem anderen kommt, einen „objektiven“ Zeitungsbericht oder ein Polizeiprotokoll haben sie nicht geschrieben, weil sie gar nicht wussten, was das war. Und wenn man ihnen gesagt hätte, sie seien Legenden aufgesessen, so hätten sie gar nicht gewusst, wieso dies ein Vorwurf sein sollte.“
Anders als in diesem ganz menschlichen, ganz in seine Zeit eingebundenen Wort der Bibel ist das Wort Gottes nicht zu haben. Und wenn die Bibel anders wäre, wenn sie zum Beispiel so geschrieben wäre, wie wir uns das wünschten, dann wäre der Glaube nie auf uns gekommen, wir hätten dann die Bibel gar nicht. Das kann man sich sehr einfach klarmachen. Wenn die biblischen Schriftsteller, etwa durch besondere Erleuchtung des Heiligen Geistes, Bücher im Stil des 20. Jahrhunderts geschrieben hätten, dann hätte das damals kein Mensch richtig verstanden. Kein Mensch hätte sich dann aber davon betroffen gefühlt. Infolgedessen hätte niemand sich dafür interessiert, niemand hätte sie aufgehoben, niemand hätte sie abgeschrieben, in andere Sprachen übersetzt und verbreitet – wir wüssten heute nichts mehr von der Bibel. Es hat als seinen guten Grund, wenn Gottes Wort so im menschlichen verborgen ist. Wir sollten dankbar dafür sein und uns nicht darüber beschweren, wenn wir später und anderswo Geborenen dann die Bibel nicht nur übersetzen, sondern erklären, auslegen müssen, um sie ganz zu verstehen.“ (Kleines katholisches Glaubensbuch. Topos Taschenbuch no. 29; 13. Aufl. 1992.)
Bei der Erklärung der Schrift über die Jahrhunderte, in jeweils neue Zeiten und Situationen hinein, ist der Kirche die Leitung durch den Heiligen Geist versprochen. Nach katholischem Verständnis bewahrt der Heilige Geist mittels des Lehramts (lat. magisterium) der mit dem Nachfolger Petri, dem Bischof von Rom, verbundenen Bischöfe vor grundlegenden Irrtümern, was die Lehre des Glaubens und der Moral angeht.
Frage 95: Was denken Sie über das Buch “Das Sakrileg (DaVinci Code)” von Dan Brown? Ist das Buch, Ihrer Meinung nach, ein Angriff der Freimaurer auf die katholische Kirche? (TR)
Antwort: Es ist nicht das Ziel unserer Homepage, Belletristik zu besprechen. Nachdem ich gelesen habe, was der Autor selbst über sich und seine Roman schreibt und mich ein wenig mit dem Roman selber befasst habe, würde ich der Behauptung widersprechen, dass Dan Brown die Kirche gezielt angreifen will und dass er sich mit den so genannten Positionen der Freimaurer identifiziert. Der Roman ist als ein Werk der Imagination/fiction zu lesen, nicht als irgendeine Form historischer Darstellung. Damit ist ein weiter Raum für die verschiedensten Interpretationen des Werkes geöffnet. Jeder, der sich ein begründetes persönliches Urteil über den Roman bilden möchte, muss diese Faktoren beachten. Man informiere sich bei: http://www.danbrown.com/novels/davinci_code/faqs.html
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