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Fragen & Antworten 4.

Frage 32: “Bis 1960 mussten alle Katholiken Lateinisch beten (wie alle Muslime Arabisch beten). Die Protestanten haben schon im 16.Jahrhundert diese Sprache aufgegeben. Wenn es falsch war, warum hat die Katholische Kirche solange gewartet, wenn es richtig war, warum wurde die Lateinische Sprache, die die Einigkeit gefördert haben soll, aufgegeben?” (TR)

Antwort:
Jesus und seine Jünger sowie die frühesten christlichen Gemeinden in Palästina beteten in der aramäischen Sprache. Die Texte der Bibel sind in Hebräisch und in Griechisch verfasst. Die Authentizität und Einheit des christlichen Glaubens hängt nicht vom Gebrauch einer bestimmten Sprache ab. Der Heilige Geist, der nach christlichem Glauben stets in der Kirche wirksam ist, ermöglicht und bewirkt die Einheit der Kirche in und durch die Vielzahl der Sprachen und Kulturen hindurch, in denen der christliche Glaube in räumlicher und zeitlicher Vielfalt lebt. Jeder Christ soll persönlich in der Sprache beten, die seinem Herzen am nächsten ist. Die Sprache der gemeinsamen liturgischen Feiern der christlichen Gemeinschaften und Kirchen hat sich mit der Ausbreitung des christlichen Lebens in verschiedenen Kulturen und Zeiträumen immer wieder verändert und angepasst.Im Osten gab es und gibt es z.B. als Kirchesprachen: Aramäisch, Syrisch, Koptisch, Ge`ez (=Äthiopisch); Armenisch, Kirchenslawisch, Rumänisch etc. 

Die vorherrschende Sprache, auch die offizielle Gebetssprache der frühen christlichen Gemeinden in den Zentren des Ostens und Westens des römischen Reiches war, wohl aus soziologischen Gründen (die Christen waren in großer Zahl gesellschaftlich außenstehende “Mühselige und Beladenen”) in den ersten beiden Jahrhunderten  nicht das Lateinische, sondern das Koiné-Griechische. Seit Ende des 2. Jahrhunderts wurde dieses im Westen allmählich durch das Spätlateinische zurückgedrängt. Seit der Mitte des 3. Jahrhunderts werden z.B. in Rom die Grabinschriften für Christen lateinisch. Im 4. Jahrhundert wird die Messliturgie in der Kirche des Weströmischen Reiches lateinisch. Ende desselben Jahrhunderts schafft Hieronymus eine lateinische Standardübersetzung der Bibel (versio vulgata). Bereits seit der Apologetik des Tertullian(gest. um 230) gibt es auch eine christliche Literatursprache Latein, deren  sich die nach dem politischen Sieg des Christentums stark zunehmende Literatur der lateinischen Kircheväter bedient. Das Latein überlebt den Untergang des römischen Reiches: Obwohl es spätestens seit der Karolingerzeit niemandes „Muttersprache“ mehr ist, bleibt es eine Art veränderlicher und insofern lebendiger internationaler „Vatersprache“ für Kultus und Verwaltung, für Wissenschaft und gelehrte Literatur. Sie ist europaweit auf eine sehr dünne Schicht lateinisch Gebildeter (sogenannter clerici) beschränkt. Dennoch ist ihr die relative Einheit des abendändischen Bewusstseins zu verdanken.

Ab dem Hochmittealter  finden sich Übersetzungen von Grundtexten und Gebeten (z.B. Vaterunser Gebet, Credo=Glaubensbekenntnis, Eheerklärungen usw.) ins Deutsche. Die Reformation stellt durch die Verwendung der Volkssprache die Praxis der katholischen Kirche in Frage, wenn auch in einigen Fällen auch im evangelischen Raum Latein als Liturgiesprache erhalten bleibt. Luther-Deutsch und Th. Cranmers English erfahren zugleich ein Sakralisierung. Die römisch-katholische Kirche antwortet auf die Reformation mit dem Baharren auf Latein in der Hl. Messe. Im 18. Jahrhundert wird Latein als Sprache des Vorstehers der Liturgie vorgeschrieben, aber in anderen Texten, vor allem auch in den Kirchenliedern wird die jeweilige Volkssprache gewählt. Im 20 jahrhundert gewinnt der Gebrauch der Volkssprache weiter an Bedeutung. Seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) und der von ihm ausgelösten Liturgiereform wird auch die Liturgie der Hl. Messe in den Volkssprachen gefeiert. Die liturgischen Texte werden von den lateinischen Modellbüchern übersetzt und die Übersetzungen von der Kirchenleitung in Rom offiziell bestätigt.

Frage 33: “Was symbolisieren die 12 Sterne auf der EU-Fahne?” (TR)

Antwort:
Auch nach der Erweiterung der Europäischen Union um zehn neue Mitgliedsländer am 1. Mai 2004 bleibt die Europa-Flagge gleich. Auch künftig werden auf azurblauem Grund dem blauen Himmel der westlichen Welt  nur zwölf goldene Sternlein prangen. Im Gegensatz zur US-Flagge sollen die Sterne nicht nur die Mitgliedstaaten symbolisieren. Die mythische Zahl Zwölf steht vielmehr für Vollkommenheit, Vollständigkeit und Einheit. Die Europa-Flagge (sie wird erwähnt in Kapitel IV – 1 des „Vertrags für eine Verfassung für Europa“) knüpft damit an die zwölf Stämme Israels, die zwölf Apostel, die zwölf Monate und die zwölf Stunden des Ziffernblattes der Uhr an. Somit findet die Vision, dass die Europäer eine exzeptionelle, ja auserwählte Gruppe sind, eine untergründige, aber machtvolle Bestätigung in der europäischen Flagge. Der Kranz von zwölf goldenen Sternen, die die Völker Europas symbolisiert, spielt an auf die Tradition auserwählter Gruppen in der jüdisch-christlichen Tradition. Zwölf Stämme hatte Israel, zwölf Jünger folgten Jesus, zwölf Tore hat das himmlische Jerusalem. Die zwölf Sterne in ihrer Anordnung als Kranz bilden zudem die Krone des apokalyptischen Weibes. Es heißt in der Offenbarung des Johannes 12,1-2: „Und es erschien ein großes Zeichen am Himmel: ein Weib, mit der Sonne bekleidet, und der Mond unter ihren Füßen und auf ihrem Haupt ein Krone von zwölf Sternen. Uns sie war schwanger und schrie mit Kindesnöten und hatte große Qual bei der Geburt.“ Hier erfolgt je mach Lesart, im Zeichen des Kranzes aus zwölf Sternen die Geburt des Messias, des Volkes Gottes oder eine umfassender Neubeginn der Geschichte. Die Flagge umschließt ein Versprechen des Heils und der Auserwählung.

Eingeführt wurde die Flagge 1955 vom Europarat, 1983 übernahm sie das Europäische Parlament, und seit 1986 wird sie von sämtlichen europäischen Einrichtungen verwendet. Die EU wäre nicht die EU, wenn sie die Gestaltung der Flagge nicht akkurat geregelt hätte. „Jeder Stern hat fünf Zacken, deren Spitzen einen unsichtbaren Umkreis mit dem Radius von etwa 1/18 der Rechteckhöhe  berühren“ heißt es etwa in einem „Grafik-Handbuch“ der EU. Im Alltag hat sich das Europa-Emblem längst durchgesetzt. Es flattert nicht nur vor vielen Amtsgebäuden, sondern leuchtet auch von italienischen Nudelpackungen oder deutschen Autokennzeichen. Die Europa-Flagge trägt also dazu bei, europäische Identität zu stiften.

Frage 34: “Wo befindet sich und was ist ‘Christendom’ (englisch für Christenheit), und warum wurde so etwas gebraucht?” (TR)

Antwort:
Das Englische kennt zwei verwandte Termini: christianity und christendom.Im Englischen wird der Begriff entweder deckungsgleich mit dem Begriff christianity gebraucht, oder aber er bezeichnet spezifisch den Teil der Welt, in dem das Christentum vorherrscht. Im Deutschen unterscheidet man die Begriffe Christentum und Christenheit. Christentum entspricht mehr oder weniger dem englischen christianity, d.h. die Religion, die sich von Jesus Christus ableitet, auf der Bibel basiert und die sich in die drei großen Zweige Orthodoxes, Römisch-Katholisches und Protestantisches Christentum aufteilt. Der Begriff Christenheit ist zwar nicht völlig deckungsgleich mit dem englischen Begriff christendom aber gleicht ihm sehr. Er bezeichnet die Gesamtheit der Menschengruppen und Institutionen, die dem christlichen Glauben verpflichtet sind, bzw. von ihm geprägt sind. Der Begriff christendom im engeren Sinn bezieht sich auf die Realität der christlich geprägten Welt des Mittelalters, also der Periode europäischer Geschichte seit Kaiser Konstantin. Kennzeichnend für das christliche Mittelalter, bzw. die Epoche des christendom war eine enge Beziehung zwischen weltlicher Herrschaft (lat. imperium) und hierarchisch strukturierter Kirche (lat. sacerdotium). Auch in den Phasen der Geschichte, in denen die beiden „Mächte“ auf engste verbunden waren, wurden sie jedoch immer eindeutig voneinander unterschieden.

Frage 35: “Was ist die Bruderschaft von Rose und Kreuz?” (TR)

Antwort:
Die Verbindung der Rose mit dem Kreuz ist – nach der Lehre der Rosenkreuzerbewegung (engl. Rosicrucians) – das Symbol für Auferstehung und Erlösung. Die Adepten des Golden-Dawn-Ordens trugen ein Rosenkreuz auf der Brust, das aus 22 unterschiedlich gefärbten Blütenblättern bestand. Sie symbolisierten die 22 Buchstaben des hebräischen Alphabets und die 22 Wege im Lebensbaum, welche die zehn Sephirot miteinander verbanden. Aus diesen Blütenblättern ließ sich eine geometrische Figur aufbauen, die jede geistig-seelische Kraft repräsentieren kann. Der Name wurde zunächst in hebräischen Buchstaben übertragen, und dann wurde eine Figur gezeichnet, mit deren Hilfe sich alle Buchstaben des Namens verbinden ließen, wenn man ihn auf die Rose schrieb.

Christian Rosenkreuz (1378-1484) gilt als der legendäre Ordensgründer der nach ihm genannten Geheimbünde. Es kann heute als gesichert gelten, dass diese Person ein Erfindung von J.V. Andreae (1586-1654) ist. Die Vorstellung, dass es eine unsichtbare Bruderschaft gebe, die auf Rosenkreuz zurückgeht, hat sich bis in dieses Jahrhundert (Golden-Dawn-Orden) erhalten. Im 18. Jahrhundert knüpften vor allem die Gold- und Rosenkreuzer an diesen Namen an.
Es kann als sicher gelten, dass vor dem 17. Jahrhundert keine Rosenkreuzer existierten.

Die Idee der Rosenkreuzer entsprang der Sehnsucht engagierter Protestanten nach einer zweiten umfassenden Reformation.
In seinen späteren Jahren distanzierte sich Andreae von seinem Jugendwerk, das er nur als eine Satire auf die alchemistisch-theosophischen Schwärmereien für die Wundermänner, Astrologen und Sektierer seiner Zeit auffasste.
Aber nachdem einmal die Idee einer solchen geheimen Bruderschaft in die Welt gesetzt war, machten sich namhafte Gelehrte seiner Zeit auf die Suche nach dieser Bruderschaft, die unauffindbar blieb.

Einige Gelehrte haben in diesen Bestrebungen die Antriebskräfte für die wissenschaftliche Revolution des 17. Jahrhunderts gesehen. In solchen Geheimbünden konnte sich ein alternatives Denken entwickeln, das mit der mittelalterlichen Weltanschauung brach und nach neuen Wegen der Welterklärung suchte.
Die Mitglieder waren „Freigeister“, welche die Geheimnisse der Natur ergründen wollten. Dabei entdeckten sie neue Eigenschaften und Kräfte der Natur, die sich in das bekannte Weltbild nicht einordnen ließen und deshalb als okkult bezeichnet werden. Die mystischen und magischen Elemente dieses alternativen Denkens wurden allmählich abgestreift, als man im Laufe der Zeit durch Experimente die neuen geheimnisvollen Eigenschaften der Natur studierte und besser kennen lernte.

Frage 36: “Warum sind bei den Christen Gedanken verbreitet, die es mit Kabbalistik und Gnostik zu tun haben?” (TR)

Antwort:
Dass Wort Kabbalistik von Kabbala kommt vom hebräischen „Überlieferung“. Es handelt sich dabei um eine System jüdischer Theosophie, die durch den Gebrauch einer esoterischen Methode der Interpretation des Alten Testaments für fähig gehalten wurde, den Initiierten dieser Bewegung verborgene Lehren vermitteln zu können, z.B. die Schöpfung der Welt durch Emanationen vom Göttlichen Sein. Es handelte sich um die Entwicklung von Tendenzen die mit dem Gnostizismus verwandt sind. Sie erreichten den Höhepunkt ihres Einflusses in Spätmittelalter und in der Renaissance. Eine christliche Form dieser Lehre war recht populär im Laufe des 15. und 16. Jahrhunderts. Reuchlin und Paracelsus gelten als die wichtigsten Vertreter der christlichen Ausprägung der Lehre. Sie meint mittels ihrer spezifischen Methoden und Einsichten die Geheimnisses der Dreifaltigkeit, der Wiedergutmachung (Erlösung) und der Göttlichkeit Jesu Christ erklären zu können.

Die Lehre der katholischen Kirche hat stets eindeutig Distanz zu diesen Ansichten und Tendenzen gehalten.

Frage 37: “Wer ist die ‘Schwarze Maria’”? (TR)

Antwort:
Die Frage bezieht sich wohl auf die „Schwarze Madonna“ von Tschentstochau (poln. Czestochowa), d.h. auf das auf Lindenholz gemalte Bild Mariens am berühmten Marienwallfahrtsort nördlich von Krakau in Polen. Wahrscheinlich ist das Abbild mit der Zeit wohl auch durch den Rauch der brennenden Kerzen am Heiligtum um das Gnadenbild gedunkelt.

1382 stiftete Fürst Ladislaus von Oppeln auf der Anhöhe von Jasna Góra ein Kloster, dem er 1384  ein aus Russland stammendes Bild Mariens mit dem Kind schenkte, das auf Lindenholz mit Temperafarben in Form einer byzantinischen Ikone gemalt ist („Schwarze Madonna“). Seit dem 15. Jahrhundert entwickelte sich Jasna Góra zum beliebtesten Wallfahrtsort Polens. Vom 17. Jahrhundert an wurde Maria dort als „Königin Polens“ verehrt.

Die Verehrung der Mutter Jesu hat in Sicht des katholischen Glaubens ein starkes Fundament im Neuen Testament selbst. Für die orthodoxe und die katholische Christenheit ist Maria die Symbolgestalt des Glaubens. In ihr wird der durch die Menschwerdung Gottes in Jesus Christus erneuerte, Gott-wohlgefällige Mensch sichtbar. Der Hymnus in Lk 1,42-.45.46ff. preist Maria wegen ihrer einzigartigen Erwählung und wegen der Antwort (Lk 1,38) ihres Glaubensgehorsams, d.h. ihrer jungfräulichen Bereitschaft, nicht nur „in ihrem Leib“ sondern zunächst „in ihrem Herzen“ das Wort Gottes zu empfangen. In dieser doppelten Mutterschaft wird sie in der Kirche (Joh 19,27; Apg 1.14) Urbild und zugleich umsichtige Fürsprecherin und Wegweiserin (Joh 2,3-5) aller, die das Wort Gottes hörend so empfangen, erwägen (Lk 2,19.51) und befolgen, dass in ihnen Christus und mit ihm die Gotteskindschaft Gestalt gewinnt (Gal 4,19).

Das 2. Konzil von Nizäa (787) gestattet mit dem Christusbild auch Marienbilder und ihre Verehrung (griech. timè), unterscheidet diese aber streng von der nur Gott gebührenden Anbetung (griech. latreia).

Frage 38: “Wer ist der König in der Bibel, der im Traum ein Standbild gesehen hatte: ‘An diesem Standbild war das Haupt aus reinem Gold; Brust und Arme waren aus Silber, der Körper und die Hüften aus Bronze. Die Beine waren aus Eisen, die Füße aber zum Teil aus Eisen, zum Teil aus Ton.’ (Buch Daniel 2,32-33), und was sind die vier Königreiche in den Deutung des Buches Daniel? Wird es geschehen wie im Buch Daniel vorhergesagt.” (TR)

Antwort:
Das Buch Daniel des Alten Testaments besteht aus zwei Hauptteilen.

(I.)Der erzählerische Teil, der die Erfahrungen des Daniel und seiner Gefährten unter den Königen Babylons, Nebuchadnezzar (1-4) und Belschazzar (5) beschreibt sowie die unter dem König der Meder, Darius (6). Diese beinhalten ihre Weigerung, unreines Fleisch zu verzehren (1), Daniels erfolgreiche Interpretation des Traumes des Nebuchadnezzar (2), die wunderbare Befreiung der drei Gefährten aus den Feuerofen (3), Nebuchadnezzars geistige Verwirrung (4), die übernatürliche Schrift auf der Wand (‚Mene, mene tekel u-parsin’) beim Festmahl des Belschazzar (5) und Daniels Überleben in der Höhle des Löwen (6).

(II)Eine Serie von Visionen, die dem Daniel während der Regierungszeit des Belschazzar gewährt wurden (7,8), Darius der Mederkönig (9), und Cyrus (10-12), Visionen die das künftige Schicksal des jüdischen Volkes offenbaren. Verschiedene Teile dieser späteren Kapitel tragen alle die Charakteristika der apokalyptischen Literaturgattung.

Die traditionelle Meinung, das Buch Daniel sei im sechsten Jahrhundert vor Christus von Daniel, einem der jüdischen Exilanten in Babylon verfasst worden, wird heute fast allerseits als unhaltbar zurückgewiesen. Eine Anzahl von historischen Fehlern im Text macht es unmöglich zu glauben, dass das Buch aus der Periode des Exils stammt. Eine weitaus späteres Entstehungsjahr legt auch der doktrinale Standpunkt des Textes nahe, seine Sprache (sogar Worte in Griechisch kommen vor) und ferner seine Stellung im Gesamtkanon der Schriften des Alten Testaments. Es ist übereinstimmende Meinung der modernen, kritischen Exegese, dass das Buch zwischen 168 und 165 vor Christus verfasst worden ist. Folgt man dieser Hypothese, dann war des die Aufgabe des Werkes, den Leser während der Verfolgungen der Juden seitens des Antiochus Epiphanes (König von Syrien, 175-163 v. Chr.) zu ermutigen und stärken. Die Sektion 2.4-7. 28 ist in Aramäisch geschrieben und nicht in Hebräisch.

Es gibt nur einen Text, in dem Daniel im Neuen Testament direkt zitiert wird, nämlich, der Hinweis auf „den unheilvollen Greuel“ (Dan 9,27) in Mk 13,14 par. Aber an vielen anderen Stellen des NT ist sind Lehren des Buches Daniel aufgenommen und entwickelt worden, z. B. der wiederholte Gebrauch des Ausdrucks „Sohn des Menschen“ (Dan 7,13), die Vorstellung von Engeln die zwischen den Menschen und dem transzendenten Gott vermitteln und vor allem die Lehre von der „Auferstehung der Toten“ (in Dan 12,2).

Zum Textabschnitt Dan 2,29-45  lässt sich kurz folgendes sagen: Dieser Abschnitt bringt die erste der Allegorien des Buches Daniel, die geheimnisvoll die Aufeinanderfolge der großen geschichtlichen Reiche (Neubabylonier, Meder und Perser, Griechen als Erben des asiatischen Reiches Alexanders) – hier entsprechend den alten Spekulationen über die Weltalter dargestellt durch Metalle von abnehmendem Wert – und schließlich die Ankunft des messianischen Reiches beschreiben. Alle irdischen Reiche brechen zusammen, um einem neuen Reich Platz zu machen, einem ewigen, weil es auf Gott gegründet ist: das Himmelreich, vgl. Mt 4,17. Jesus, der sich selbst als Menschensohn bezeichnet, vgl. Dan 7,13 und Mt 8,20, wendet auf sich auch das Bild vom zuerst verworfenen Eckstein aus Ps 118,22 an, vgl. Mt 21,42-44; Lk 20,17-18, ferner das Bild vom Grundstein aus Jes 28,16 mit einer deutlichen Anspielung auf den Stein, der sich vom Berg löst und denjenigen zerschmettert, auf den er fällt. Siehe in diesem Kapitel 2 des Buches Daniel die Verse 34.44–45.

Frage 39: “Warum lesen sich große Teile des Evangeliums (gemeint wohl: der Bibel) wie ein Geschichtsbuch?” (TR)

Antwort:
Zunächst (in Anlehnung an den Katholischen Erwachsenen Katechismus, S. 38f.) ein paar Worte zum christlichen Verständnis von Offenbarung: Gott offenbart sich seit dem Ursprung der Welt durch die Schöpfung, besonders durch das Gewissen des Menschen und seine Führung in der Geschichte. Es gibt also eine allgemeine Geschichte der Offenbarung Gottes. Das Zweite Vatikanische Konzil lehrt: „Von den ältesten Zeiten bis zu unseren Tagen findet sich bei den verschiedenen Völkern eine gewisse Wahrnehmung jener verborgenen Macht, die dem Lauf der Welt und den Ereignissen des menschlichen Lebens gegenwärtig ist, und nicht selten findet sich auch die Anerkennung einer höchsten Gottheit oder sogar eines Vaters…“(Nostra Aetate 2)

Doch Gott will sich den Menschen nicht nur einzeln, sondern als einem sozialen und geschichtlichen Wesen offenbaren. Er will die Menschen zu einem Volk sammeln und dieses zum Licht der Völker machen (vg. Jes 42,6). So gibt es um der allgemeinen Geschichte Gottes mit dem Menschen willen eine besondere Geschichte der Offenbarung Gottes. In ihr gibt sich Gott zu bestimmten Zeiten und an bestimmten Orten bestimmten Menschen in besonderer Weise zu erkennen. Die besondere Offenbarung beginnt mit der Berufung Abrahams und der Erzväter (Patriarchen). Mit der Sammlung Israels und seiner Befreiung aus Ägypten tritt sie in eine neue Phase ein. Durch die Propheten wird Israel mit Gott noch tiefer vertraut gemacht und zugleich auf die endgültige Offenbarung Gottes in Jesus Christus vorbereitet.

    „Viele Male und auf vielerlei Weise hat Gott einst zu den Vätern gesprochen durch die Propheten; in dieser Endzeit aber hat er zu uns gesprochen durch den Sohn…“ (Hebr 1,1-2)

Die Bibel – das Wort leitet sich aus dem Griechischen bíblos = das Buch her – ist die Heilige Schrift der Christen. In ihr sind die Erfahrungen aufgezeichnet, die Menschen in langer Geschichte mit Gott und seiner Offenbarung in Wort und Tat gemacht haben.

Die Bibel, bestehend aus dem Alten und Neuen Testament, ist gleichsam die Urkunde des Bundes, den Gott mit den Menschen geschlossen hat. Weil man das hebräische Wort berít (=Bund) lateinisch mit testamentum übersetzte, kam es zur Bezeichnung Altes Testament für die heiligen Schriften der Juden (koranisch: at-taurát) und Neues Testament für die Apostelbriefe und die Evangelien (koranisch: indschíl).

Das Alte Testament beinhaltet die Geschichte des israelitischen Volkes (als Kurzform verwenden wir das Wort „Israel“, womit nicht – das sei hier ausdrücklich betont – der heutige Staat Israel gemeint ist) mit Gott; es spiegelt in der ganzen Vielfalt seiner Schriften und Literaturgattungen – darunter auch die sog. „Geschichtsliteratur“ – die gläubige Existenz  eines Volkes wider, das sich im Bund mit Gott wusste und über lange Jahrhunderte immer wieder Gottes rettende Kraft erfahren hat.

Das Neue Testament gibt Zeugnis von den Erfahrungen der Jünger und der frühen Kirche, die diese mit Jesus Christus gemacht haben. Die neutestamentlichen Schriften sind Glaubenszeugnisse von Jesus Christus. Sie sind Bekenntnisse zu ihm als dem im Alten Testament verheißenen Messias.

Die Autoren der neutestamentlichen Schriften verstehen das AT als Zeugnis vom Handeln desselben Gottes, den auch Jesus verkündet. Und das mit Recht: Jesus war Jude. Sein Glaube war der des damaligen Judentums, der „Glaube der Väter“. Das AT wird als Sammlung der Literatur gesehen, in der sich Gottes besonderes Handeln in seinem auserwählten Volk widerspiegelt und somit auch als Buch der Verheißung, die in Jesus Christus ihre Erfüllung gefunden hat. Das bekennt der christliche Glaube, und deswegen gehören für die Christen beide Testamente zusammen.

Die Bibel ist eine umfangreiche Sammlung von Schriften, die das religiöse Leben und Glauben des von Gott erwählten Volkes widerspiegelt und an der somit viele Menschen und Gemeinschaften mitgewirkt haben. Die Entstehungszeit der biblischen Schriften erstreckt sich insgesamt über tausend Jahre: Das AT entstand im Laufe des 1. Jahrtausends vor Christus, das NT im 1. Jahrhundert nach Christus. Gerade diese lange Entstehungszeit ist ein eindrucksvolles Zeugnis der Macht des Wortes Gottes: Von ihm getroffen haben immer wieder Menschen der unterschiedlichsten Herkunft und Bildung versucht, in ihrer jeweiligen Zeit unter veränderten Lebensbedingungen und je neuen sozialen und politischen Verhältnissen Gottes Wort als tragende Kraft des Lebens ihrer Mitmenschen zu verkünden.

Frage 40: “Warum haben christliche und jüdische Kleriker eine verschlüsselte Schrift entwickelt?” (TR)

Antwort:
Von einer solchen verschlüsselten Schrift ist mir nichts bekannt.

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