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Fragen & Antworten 9

Frage 73: Es gibt ein Widerspruch zwischen folgenden zwei Versen im Alten Testament: “Er bewahrt Tausenden Huld, nimmt Schuld, Frevel und Sünde weg, lässt aber (den Sünder) nicht ungestraft; er verfolgt die Schuld der Väter an den Söhnen und Enkeln, an der dritten und vierten Generation (Exodus 34,7)“ und „Die Väter sollen nicht für ihre Söhne und die Söhne nicht für ihre Väter mit dem Tod bestraft werden, sondern jeder soll nur für sein eigenes Verbrechen sterben (2 Chronik 25,4)“ Können Sie diesen Widerspruch erklären? (TR)

Antwort:
Vielleicht die wichtigste unter den Belegstellen im Alten Testament für die Lehre von Gottes Vergebung und Bestrafung ist Deuteronomium 5, 7-10, Teil des Textes, der die Zehn Gebote (d.h. den Dekalog) formuliert:

    „Du sollst neben mir keine anderen Götter haben. Du sollst dir kein Gottesbildnis machen, das irgendetwas darstellt am Himmel droben, auf der Erde unten oder im Wasser unter der Erde. Du sollst dich nicht vor anderen Göttern niederwerfen und dich nicht verpflichten, ihnen zu dienen. Denn ich, der Herr, dein Gott, bin ein eifersüchtiger Gott: Bei denen, die mir Feind sind, verfolge ich die Schuld der Väter an den Söhnen und an der dritten und vierten Generation; bei denen, die mich lieben und auf meine Gebote achten, erweise ich Tausenden meine Huld.“  

Dasselbe Buch Deuteronomium kommt in 7, 9-11 noch einmal auf das gleiche Thema zurück:

    „Daran sollst du erkennen: Jahwe, dein Gott, ist der Gott; er ist der treue Gott; noch nach tausend Generationen achtet er auf den Bund und erweist denen seine Huld, die ihn lieben und auf seine Gebote achten. Denen aber, die ihm Feind sind, vergilt er sofort und tilgt einen jeden aus; er zögert nicht, wenn einer ihm Feind ist, sondern vergilt ihm sofort. Deshalb sollst du auf das Gebot achten, auf die Gesetze und Rechtsvorschriften, auf die ich dich heute verpflichte, und du sollst sie halten.“

Dazu kommt der oben unvollständig zitierte Text über die Gotteserscheinung, die Moses erlebt. Exodus 34, 6-9:

    „Der Herr ging an ihm vorüber  und rief: Jahwe ist ein barmherziger und gnädiger Gott, langmütig, reich an Huld und Treue: Er bewahrt Tausenden Huld, nimmt Schuld und Frevel und Sünde weg, lässt aber (den Sünder) nicht ungestraft; er verfolgt die Schuld der Väter an den Söhnen und Enkeln, an der dritten und vierten Generation. Sofort verneigte sich Mose bis zur Erde und warf sich zu Boden. Er sagte: Wenn ich deine Gnade gefunden habe, mein Herr, dann ziehe doch mein Herr mit uns. Es ist zwar ein störrisches Volk, doch vergib uns unsere Schuld und Sünde, und lass uns dein Eigentum sein.“

Deut 7, 10 macht klar, dass Gott bei der Strafe immer dem Einzelnen vergilt und zwar sofort. Dagegen belohnt er die, die ihn lieben „noch nach tausend Generationen“ (siehe oben Deut 7, 9 und auch Exodus 34, 7). Die Verfolgung der Schuld der Väter an den Söhnen bis zur vierten Generation widerspricht dem nicht, denn es handelt sich um die alte Vorstellung, die in unverändert erhaltenen patriarchalischen Gesellschaften noch heute lebendig ist, dass jeweils vier  Generationen eine Großfamilie ausmachen. Das Haupt der Sippe und die Sippe, die vier Generationen umfasst, werden als eine Einheit aufgefasst, eine Großfamilie. Großfamilie in diesem Sinn und Haupt der Großfamilie bilden bzw. bildeten im Denken und Verstehen der Menschen solcher Gesellschaften eine Einheit, die als solche verantwortlich ist vor Gott.

Die oben zitierte Stelle 2 Chronik 25, 4 entspricht genau der chronologisch wohl früheren Stelle Deuteronomium 24, 16. Die sich zu widersprechen scheinenden Textstellen gehören also zum gleichen Buch Deuteronomium und wurden somit nicht so verstanden, dass sie sich widersprechen würden.

Kapitel 18 des Buches des Propheten Ezechiel widmet sich unabhängig von dem genannten Traditionsstrang ganz der Frage der persönlichen Verantwortung. Man lese das ganze Kapitel, besonders aber Ezechiel 18, 4 und 18, 19-23. Der Prophet wandte sich in den Aussagen des 18. Kapitels seines Buches gegen ein mögliches Missverständnis von Deuteronomium 5, 9 und Exodus 34, 7.

Frage 74: Ist die Betrunkenheit eine Sünde? Wenn ja, wie kann das Christentum etwas, was Betrunkenheit verursacht (Wein), im Gebet verwenden und noch dazu im Namen Gottes? (TR)

Antwort:
Wein hat in der Bibel eine sehr große Bedeutung. Wie sehr der Wein geschätzt wurde, geht daraus hervor, dass nach biblischer Überleiferung Noah, der Stammvater der erneuten Menschheit, “einen Weinberg anlegte” (Genesis 9, 20). Der Wein wird gepriesen (Richter 9, 13; Ps 104, 15); es wird aber auch vor übermäßigem Weingenuss gewarnt (Jesaja 5, 11f.; Amos 6, 6; Sprichwörter 20, 1; 23, 31ff.; Sirach 19, 2; Epheser 5, 18; 1 Tim 3, 3. 8.; 1 Petrus 4, 3).

Zitiert sei der treffende Abschnitt auf dem Buch Jesu Sirach (31, 25-31):

    “Auch beim Wein spiele nicht den starken Mann! Schon viele hat der Rebensaft zu Fall gebracht. Wie der Ofen das Werk des Schmiedes prüft, so ist der Wein eine Probe für die Zuchtlosen. Wie ein Lebenswasser ist der Wein für den Menschen, wenn er ihn mäßig trinkt. Was ist das für ein Leben, wenn man keinen Wein hat, der doch von Anfang an zur Freude geschaffen wurde? Frohsinn, Wonne und Lust bringt Wein, zur rechten Zeit und genügsam getrunken. Kopfweh, Hohn und Schimpf bringt Wein, getrunken in Erregung und Zorn. Zu viel Wein ist ein Falle für den Toren, er schwächt die Kraft und schlägt viele Wunden.”

Nach der Logik der Frage, dürfte man kein Messer gebrauchen, weil die falsche Verwendung eines Messers zu viel Unheil führen kann, usw. Es geht in der christlichen Ethik bei solchen Fragen nur um das Einhalten des rechten Maßes.

Allgemeiner gesprochen gilt: “Für die sittliche Bewertung des Umgangs mit Medikamenten, Alkohol und Drogen, dass manche Genußmittel zur Förderung der Geselligkeit dienen und dass manche Drogen zur ärtzlichen Behandlung von Kranken angewandt werden. In dem Maße jedoch, wie bestimmte Mittel denjenigen, der sie als Rauschmittel einnimmt, in einen Zustand versetzen, in dem er nicht Herr über seine geistigen Fähigkeiten ist, ist ihr Genuss verwerflich. Auch bei Mitteln, die seelisch oder körperlich abhängig machen und zur Schwächung und Zerstörung der sittlichen Persönlichkeit und ihrer Freiheit führt, ist der Genuss oder die Anwendung sittlich nicht vertretbar. Es gehört zu den Voraussetzungen der Sinnerfüllung des Lebens, dass sich jeder bemüht, seine eigenen Grenzen zu sehen und Maßhaltung oder Verzicht zu üben.” (Katholischer Erwachsenen Katechismus. Bd. 2: Leben aus dem Glauben (Freiburg: Herder, 1995), S. 278.)

Frage 75: Ist eine Andersgläubige als Amme erlaubt? (TR)

Frage 76: Darf ein Mann die Muttermilch seiner Frau trinken? (TR)

Antwort auf beide Fragen:
Die christliche Morallehre überlässt es dem Urteilsvermögen des einzelnen Christen, in Fragen, wie den beiden vorhergehenden, nach gutem Gewissen zu entscheiden. Nur, wenn Handlungen, wie z. B. die genannten, gegen ethische Prinzipien und Grundvorschriften verstoßen sollten, oder wenn sie in einer gegebenen Situation den Mitmenschen verletzen oder unnötig schockieren würden, wäre der Christ (wie jeder andere Mensch) moralisch verpflichtet, diese Handlungen zu unterlassen.

Frage 77: Eine muslimische Ehefrau, die mit einem Christen verheiratet ist, vermutet, dass dem Paar durch tunesische Verwandte Flüche entgegengebracht wurden, die nun zu Konflikten innerhalb und außerhalb der Ehe führen. Ist Ihnen der Hintergrund solcher Flüche bekannt? Gibt es einen Zusammenhang von Flüchen mit dem Koran? Gibt es Möglichkeiten, diese Flüche zu bekämpfen oder sie aufzuheben? (DE)

Antwort:
Nicht nur in den ländlichen Gegenden, auch in weiten Kreisen der Stadtbevölkerungen der islamischen Welt ist der Aberglaube bis heute weit verbreitet. Wie in allem Aberglauben wird dem alten Weib auch im Orient die Macht zugeschrieben, zu binden und zu lösen, Geister zu beschwören, Kranke zu heilen und die Zukunft vorauszusehen. Viele Inhalte des Aberglaubens finden im Koran eine Entsprechung. Der Glaube an die Dschinn nimmt hier eine hervorragende Stellung ein. Man fürchtet sie, weil sie den Menschen Krankheit, Unglück und Tod  bringen können. Vor bösen Geistern schützt man sich durch das Tragen von Amuletten. Fährt ein böser Geist in jemanden, so erkrankt er. Menschen, die an Nervenstörungen wie Hysterie, Epilepsie, Melancholie, Apoplexie, Zuckungen und Lähmungen leiden, bezeichnet man bei den Arabern als „gebunden“ oder „vom Dschinn geschlagen“. Die Türken sagen: „Er ist vom Dschinn besessen.“ Geheilt werden können sie nur von Leuten, denen die Dschinn dienstbar sind. Die Heilmittel dazu erlangt man durch Befragen der Geister, Räuchern, Amulettschreiben, Gebete und Sprüche. Andere verstehen sich darauf, die Geister zum Schaden eines anderen Menschen aufzureizen. Sie bedienen sich neben den Talismanen auch der Magie. Als Ursache viele Krankheiten sieht man die unheilvolle Macht des Auges, des so genannten „bösen Blicks“. Aber auch die „böse Rede“ oder der „böse Geruch“ können Schaden bringend wirken. Unter den vielen Ableitungs- und Heilmitteln  wie Amuletten und Talismanen gilt das einundvierzigmalige Aussprechen der Formel mā schāllāh! (Was Gott will“) als besonders wirksam gegen das „Verschreien“. Versagen alle diese Mittel, wendet man sich an einen Alten (schaikh) oder „Meister“ (türk. khoca). (Vgl. den Eintrag ‚Aberglauben’ (verf. von Senay Yola, München) in Kreiser/Wielandt (hg.), Lexikon der Islamischen Welt. Stuttgart, 1992.)

Nach christlicher Auffassung vertreibt der Glaube an die Allgegenwart des auferstandenen Jesus Christus und die lebendige Verbindung mit ihm durch die Praxis der Geist-gewirkten Sakramente und anderer kirchlicher Riten, Segnungen und Symbolhandlungen (d.h. Sakramentalien) jegliche Schatten des Aberglaubens.

Frage 78: Joh 1,18 sagt, dass niemand Gott gesehen hat. Aber im Alten Testament gibt es mehrere Verse, die genau das Gegenteil behaupten (Gen 17,1; 18,1; Ex 6,3; 24,10; Amos 9,1 etc.). Wie erklären Sie diesen Widerspruch? (TR)

Frage 79: Genesis 11,5: “Da stieg der Herr herab, um sich Stadt und Turm anzusehen, die die Menschenkinder bauten.” Ist euer Herr kurzsichtig, dass er vom Himmel nicht sehen kann und herabsteigen musste? (TR)

Antwort:
Joh 1,17-18: „(17) Denn das Gesetz wurde durch Moses gegeben, die Gnade und die Wahrheit kamen durch Jesus Christus. (18) Niemand hat Gott je gesehen. Die Einzige, der Gott ist und am Herzen des Vaters ruht, er hat Kunde gebracht.“
Joh 6,46: „Niemand hat den Vater gesehen außer dem, der von Gott ist; nur er hat den Vater gesehen.“
Joh 7,29: „Ich kenne ihn, weil ich von ihm komme und weil er mich gesandt hat.“
1 Joh 4,12: „Niemand hat Gott je geschaut, wenn wir einander lieben, bleibt Gott in uns, und seine Liebe ist in uns vollendet.“

Alle diese Stellen aus den johanneischen Schriften des Neuen Testaments beziehen sich auf Exodus 33,20: Mose auf dem Berg:
Ex 33,18-23: „(18) Dann sagte Mose: Lass mich doch Deine Herrlichkeit sehen! (19) Der Herr gab zur Antwort: Ich will meine ganze Schönheit vor dir vorüberziehen lassen und den Namen des Herrn vor dir ausrufen. Ich gewähre Gnade, wem ich will, und ich schenke Erbarmen, wem ich will. Weiter sprach er: Du kannst mein Angesicht nicht sehen; dann kein Mensch kann mich sehen und am Leben bleiben. (21) Dann sprach der Herr: Hier, diese Stelle da! Stell dich an diesen Felsen! (22) Wenn meine Herrlichkeit vorüberzieht, stelle ich dich in den Felsspalt und halte meine Hand über dich, bis ich vorüber bin. (23) Dann ziehe ich meine Hand zurück, und Du wirst meinen Rücken sehen. Mein Angesicht aber kann niemand sehen.“

Kommentar zu Ex 33,20: „Zwischen der Heiligkeit Gottes und der Unwürdigkeit des Menschen besteht ein solcher Abgrund, dass der Mensch sterben müsste, wenn er Gott von Angesicht zu Angesicht sehen würde, vgl. Ex 19:21; Dtn 5:24-26; auch Dtn 18,16). Deshalb verhüllen Mose, Ex 3,6; Elija, 1Kön 19,13; und selbst die Serafen, Jes 6,2, ihr Angesicht vor Jahwe. Wer am Leben bleibt, nachdem er Gott gesehen hat, empfindet dankbares Erstaunen, Gen 32,31; Dtn 5,24, oder religiöses Erschaudern, Ri 6,22-23; Jes 6,5. Selten gewährt Gott einen solchen Hulderweis, Ex 24,11, wie besonders dem Mose als seinem „Freund“, Ex 33,11; Num 12,7-8, Dtn 34,10, und Elija 1Kö 19,11f - beide werden Zeugen der Verklärung Christi, der Theophanie des Neuen Bundes, Mt 17,3 (und Parallelen), sein und in der christlichen Überlieferung als die überragenden Vertreter mystischer Gottesschau gelten (mit Paulus, 2 Kor 12,1f).

Im Neuen Bund offenbart sich die „Herrlichkeit“ Gottes in Jesus, vgl. Ex 24,16 und Joh 1,14; 11,40, den Vater aber hat niemand geschaut, als Jesus, der Sohn, allein, Joh 1,18; 6,46; 1Joh 4,12. Für die Menschen gibt es ein Schauen von Angesicht zu Angesicht erst in der Glückseligkeit des Himmels, Mt 5,8; 1Joh 3,2; 1Kor 13,12; vg. 2Kor 4,4.6. 
(Gekürzt aus: Neue Jerusalemer Bibel (Freiburg: Herder, 1980), S. 122.)

In Bezug auf die Frage im Anschluss an Gen 11,5 seien zwei Bemerkungen gemacht:
(1) Die ersten elf Kapitel des Buches Genesis sind gesondert zu betrachten. Sie beschreiben in volkstümlicher Weise den Ursprung des Menschengeschlechtes. Sie sprechen in einem schlichten und bildhaften Stil, so wie er der geistigen Verfassung eines kulturell gering entwickelten Volkes entspricht, die Grundwahrheiten aus, die Voraussetzung der Heilsordnung sind: die Schöpfung durch Gott am Anfang der Zeiten, Gottes besonderes Handeln bei der Erschaffung von Mann und Frau, die Einheit des Menschgeschlechts, den Sündenfall der Stammeltern, als dessen Folge den Verfall und die Erbstrafen. All dies sind Wahrheiten, die für die Glaubenslehre bedeutsam und die durch die Autorität der Heiligen Schrift gesichert sind. Als sichere Glaubenswahrheiten schließen sie (nicht wort-, aber sinngetreu) Tatsachen ein, die wirklich sind, auch wenn wir deren Umrisse unter dem mythischen Gewand, das um sie entsprechend den Lebensverhältnissen und Dankweisen jener Zeit gelegt wurde, nicht näher bestimmen können.“ (Neue Jerusalemer Bibel, S. 8.)

(2) Die kühnen Anthropomorphismen der alttestamentlichen Gottesrede, von denen der hier zitierte Vers (Gen 11,5) nur eine unter unzähligen darstellt, sind für den modernen Leser häufig irritierend oder gar schockierend. Sie sind jedoch entzifferbar und verständlich als Chiffren für Jahwes lebendiges engagiertes Umgehen mit dem Menschen. In diesen Anthropomorphismen leuchtet an der Lebendigkeit Gottes das auf, was wir heute Personalität nennen. Diese scheinbar vermenschlichte Form des Glaubenszeugnisses wird einmal durch das gleichzeitige Bekenntnis von der Raum und Zeit überragenden Transzendenz Jahwes vor plattem Missverständnis bewahrt. Zum anderen erfährt sie ihre Mitte und ihrem Zusammenhalt in der Weise, wie die Hebräer (die zwar den Begriff des Geistes und der Personalität im Einzelnen nicht durchreflektiert haben) Jahwe nie als »Er«, als »Ich«, als »Selbst« schlechthin artikulieren. A. Deissler schreibt dazu: „Darin äußern sich personale Urgegebenheiten, wie Erkenntnis und Weisheit, Wille und Freiheit, und dies nicht nur im Gegenstand, sondern auch in der Tatsache des Sprechenden selbst, in welchem das Alte Testament schließlich alles ‚Walten Gottes nach außen’ zusammenschließt und so vom kosmisch-schöpferischen, vom geschichtsmächtigen und von spezifisch-offenbarenden Wort Jahwes kündet.“ (Die Grundbotschaft des Alten Testaments, in B. Dreher u.a. (hg.), Handbuch der Verkündigung 1, Freiburg 1970, S. 162.) Siehe: Theodor Schneider, Was wir glauben. Düsseldorf: Patmos, 1988, S. 97.

Frage 80: 1. Korintherbrief 14,34-35 sagt: “Die Frauen sollen in der Versammlung schweigen; es ist ihnen nicht gestattet zu reden. Sie sollen sich unterordnen, wie auch das Gesetz es fordert...es gehört sich nicht für eine Frau, vor der Gemeinde zu reden.” Jetzt gibt’s aber sogar weibliche Pastoren. Ist das Evangelium nicht mehr gültig? (TR)

Antwort:
Die Gottebenbildlichkeit betrifft gleichermaßen Mann und Frau (Genesis 1,27). Es gibt hierin keine Abstufung. Darum widersprechen alle Diskriminierungen der Frau, wie sie die menschliche Kultur- und Zivilisationsgeschichte kennt, dem ursprünglichen Schöpferwillen. Die Gleichrangigkeit und Gleichwertigkeit von Mann und Frau ist und bleibt für Welt und Kirche eine feierliche Lehre der Gottesoffenbarung.

Jesus rückte durch sein Verhalten die Würde und Gleichwertigkeit der Frau ins Licht. An seiner Predigt, an seinen Handlungen, an seiner Liebe zu den Menschen haben die Frauen ebenso Anteil wie die Männer. Er nimmt Frauen in seine Begleitung auf und lässt sich von ihnen unterstützen (Lk 8,1-3), tritt für eine verachtete Dirne ein (Lk 7,36-50) und durchbricht  die damaligen gesellschaftlichen Schranken (Joh 4,27) und religiöse Tabus (Mk 5,28-34).

Die Absicht Jesu, den gleichen Rang und die gleiche Würde der Frau gegenüber dem Mann zur Geltung zu bringen und die Frauen aus den Fesseln damaliger Anschauungen und Gewohnheiten zu befreien, wird in der Urkirche ernst genommen. Paulus greift auf die Taufe zurück, in der die bisherigen Unterschiede überwunden und alle Getauften in einer Einheit in Christus zusammengeführt sind. „Es gibt nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht Mann und Frau; denn ihr seid alle einer in Christus Jesus“ (Gal. 3,27f). Dieser grundlegende theologische Satz, der die Schöpfungsordnung in der von Christus gebrachten Neuschöpfung neu auflegt, zielt dahin, die bisherigen trennenden Schranken und Hemmnisse zu überwinden.

Die gläubige Erkenntnis in die Praxis umzusetzen war selbst für Paulus nicht leicht (vgl. 1Kor 11,2-16), der den oben zitierten Satz mit enthält, obwohl Paulus Frauen zur vollen Teilnahme am Gemeindeleben berief, ja leitende Aufgaben (vgl. Röm 16,1-5 u.a.) und missionarische Tätigkeit (vgl. Röm 16,7) von Frauen anerkannte. In der Zeit nach Paulus gab es auch Tendenzen, Frauen stärker dem häuslichen Bereich zuzuordnen (vgl. 1Kor 14,34f mit 1Tim 2,11-15; ferner 1 Petr 3,1-6; Tit 2,5; 1Tim 5,11-14). Die Mahnung an die Männer, ihre Frauen zu lieben, die auch in römisch-hellenistischer Ethik auftaucht, empfängt in Eph 5,25-32 innerhalb der christliche „Haustafel“ eine einzigartige Vertiefung: „Ihr Männer, liebt euere Frauen, wie Christus die Kirche geliebt und sich für sie hingegeben hat. (5,25). Das Vorbild der dienenden Liebe Christi musste die Haltung des Mannes zu seiner Frau verändern: statt patriarchalischer Machtausübung hingebende Liebe. Im Übrigen mahnt Eph 5,21 alle Christen, Männer und Frauen: „Einer ordne sich dem anderen unter in der gemeinsamen Ehrfurcht vor Christus.“

Was die kirchliche Lehre angeht, so bestehen in der gegenwärtigen katholischen und orthodoxen Kirche bezüglich des Amtes einige schwerwiegende Fragen an.  Eine, unter weiteren, vieldiskutierten Fragen ist das Problem der Zulassung der Frauen zum Priesteramt. In ihrer menschlichen und christlichen Würde sind Frauen den Männern ebenbürtig. Deshalb sollen Frauen in allen Bereichen des Apostolats der Laien einen ebenbürtigen Platz einnehmen. Die römische Kongregation für die Glaubenslehre hat 1976 jedoch erneut festgestellt, dass der katholischen Kirche aufgrund des Beispiels Jesu wie aufgrund der gesamten kirchlichen Tradition die Zulassung der Frau zum priesterlichen Amt nicht möglich erscheint. Dies ist keine letztverbindliche dogmatische Entscheidung. Die Argumente der Schrift haben freilich erhebliches Gewicht und müssen in der Kirche gegenüber den Argumenten aus der Forderung nach gesellschaftlicher Gleichberechtigung von Mann und Frau eindeutig das Übergewicht haben. Außerdem will die katholische Kirche in Fragen des Amtes  nicht von der orthodoxen Kirche getrennte Wege gehen.

In der anglikanischen sowie in vielen protestantischen Kirchen fungieren Frauen als Pastorinnen und gar als Bischöfinnen.

Frage 81: Was unterscheidet die Orthodoxen von den Katholiken und Protestanten? Was haben sie im Glauben gemeinsam? (TR)

Antwort:
Unter dem Begriff Orthodoxe Kirchen werden diejenigen Kirchen zusammengefasst, die das Christentum in der von Byzanz geprägten Form leben, wie sie sich im Osttteil des römischen Reiches entwickelt hat und von dort auch die Grenzen des Reichs, vor allem zu den Ostslaven hin, überwunden hat. Auch viele Orientalisch-Orthodoxe Kirchen verwenden die Bezeichnung Orthodoxe Kirchen für sich selbst. Sie unterscheiden sich von den Orthodoxen Kirchen durch Liturgie und Dogma (allerdings wurde 1990 eine Übereinstimmung in den dogmatischen, vor allem christologischen, Fragen erzielt), die katholischen Ostkirchen durch ihre kanonische Gemeinschaft mit dem Bischof von Rom. Der Begriff „orthodox“, häufig mit „rechtgläubig“ wiedergegeben, heißt eigentlich „(Gott) auf recht Weise preisend“ und verweist so auf die zentrale Bedeutung der liturgischen Dimension des Lebens der Orthodoxen Kirchen.

Für die Orthodoxen Kirchen ist der Primatsanspruch des Bischofs von Rom  (siehe unser Buch oben: Kap. 6, III, 1.2) bis heute der entscheidende Grund für die Aufrechterhaltung  der Kirchentrennung von 1054. Die Verbreitung des Primats im Westen entsprang freilich nicht in erster Linie römischer Machtgier, sondern der Verantwortung für die Freiheit und Einheit der Kirche. Dieser Vorrang wurde oft mehr von außen an Rom herangetragen, als von Rom selbst gefordert. Zur Legitimation der Spaltung wurde und wird noch auf alle möglichen theologischen Detailfragen hingewiesen, wie etwa die Verurteilung der lateinischen Gebräuche des ungesäuerten Brotes bei der Feier des Messopfers, der Ehelosigkeit (Zölibat) der Priester oder eine leicht abweichende Formulierung im Glaubensbekenntnis, da so genannte Filioque.

Neben diesen entscheidenden Gründen für die Spaltung in Orthodoxe und Römisch-Katholische Kirche gehen unterschiedliche Stile von Frömmigkeit einher, so dass weniger der Glaube in seinen dogmatischen Setzungen als vielmehr die Art, Christ zu sein, den wesentlichen Unterschied zwischen Ost und West ausmachte und bis heute ausmacht.

Der Fortbestand des Römischen Reiches im Osten bedeutete die Fortführung von Reichskirche, die von Kaiser Konstantin (reg. 306-337) begründet worden war. Der Kaiser wurde als Stellvertreter Gottes auf Erden gefeiert. Er war christusähnlicher, weltlicher Priesterkönig, Träger allen Rechtes and selbst über den kirchlichen Verordnungen (Kanones) stehend. Seine Gewalt in der Kirche, in ihrer Lehrentwicklung, Gesetzgebung und Verwaltung wurde nur durch das göttliche Gesetz begrenzt. Unter diesem nicht ganz zu Recht als Cäsaropapismus bezeichneten theokratischen System waren Volkstum und Kirche sowie Kirche und Staat aufs engste miteinander verbunden. Die Patriarchen standen dabei deutlich unter dem Kaiser und handelten vielfach in seinem Auftrag. Diese Kirchenstruktur setzte sich dann auch fort, als das oströmische Reich untergegangen war und an seine Stelle nationale Herrscherhäuser traten wie die Zaren in Russland oder serbische und rumänischen Herrscher. In all diesen Fällen war es zu eigenständigen Patriarchaten gekommen. Die Ausübung der Religion war weitestgehend auf den kirchlich-liturgischen Raum beschränkt und verharrte über die Jahrhunderte in diesem Zustand. Zu großen Neuerungen kam es nicht, weder im Bereich der Theologie noch auf dem Gebiet der christlichen Philosophie, der Staatslehre oder der Kunst. Die Kirche lebte weiter, als sei die Zeit stehen geblieben. 

Ganz anders verlief die Entwicklung im Westen Aus all den Untergangswirren des weströmischen Reiches ging der Papst gestärkt und letztlich als einzige intakte Führungsinstanz hervor. Er übernahm in der Folgezeit die geistige Führung in Mittel- und Westeuropa und stellte damit eine Art übernationales Bindeglied zwischen den Kircheprovinzen dar, von dem sich lokale und regionale Herrscher in ihren Machtansprüchen legitimieren ließen. Während in Osteuropa der Kaiser über dem Patriarchen stand und ihn unter seine Fittiche nahm, erschien das Machtverhältnis im Westen geradezu umgekehrt.

Im Verlauf der Zeit kam es im Westen, nicht zuletzt durch den Investiturstreit und seine Lösung, zu einer Zweiteilung der politischen und religiösen Bereiche, deren Bedeutung für die Entwicklung der abendländischen Geistesgeschichte nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Weder Osteuropa noch die Islamische Welt haben etwas Vergleichbares entwickelt und sind in der Folgezeit deshalb im Hinblick auf diese Frage weiterhin auf dem Stand der Entwicklung stehen geblieben, den sie zu Beginn des Mittelalters erreicht hatten. Nur Westeuropa hat diesen Stand verlassen und sich in neue Gefilde vorgewagt, getrieben vom dauernden Konkurrenzkampf zweier recht unterschiedlicher Machtblöcke, des kirchlichen und des kaiserlichen.
(Die letzten fünf  Paragraphen folgen weitgehend Peter Antes, Mach’s wie Gott , werde Mensch. Das Christentum. Düsseldorf: Patmos, 1999. S. 110-112.)

Frage 82: Wenn Gott immer und überall anwesend ist, wie kann er unabhängig von Zeit und Raum sein? (TR)

Antwort:
Gerade weil Gott als der Unerschaffene, Transzendente jegliche Grenzen von Raum und Zeit übersteigt, kann er immer und überall anwesend sein.

Frage 83: Warum haben die Juden Jesus abgelehnt und lehnen ihn immer noch ab? (TR)

Antwort:
In den Augen vieler jüdischer Zeitgenossen Jesu und vieler jüdischer Gläubiger in den folgenden Jahrhunderten bis zum heutigen Tag schien bzw. scheint Jesus gegen die wesentlichen Institutionen des auserwählten Volkes zu verstoßen bzw. verstoßen zu haben:
         - gegen den Gehorsam dem Gesetz gegenüber, in ausnahmslos allen schriftlich niedergelegten Geboten, und, für die Pharisäer, in der von der mündlichen Überlieferung gegebenen Auslegung;
         - gegen die zentrale Stellung des Tempels von Jerusalem als des heiligen Ortes, der besonderen Wohnstätte Gottes;
         - gegen den Glauben an den einzigen Gott, an dessen Herrlichkeit kein Mensch teilhaben kann.
(Vgl. Katechismus der Katholischen Kirche, no. 576.)

Frage 84: Beten die Christen Ikonen und Skulpturen an? (TR)

Antwort:
Der Katechismus der Katholischen Kirche führt zu unserer Frage im vierten Teil seiner Erklärung des ersten der „Zehn Gebote“ unter den letzten Worten des 1. Gebotes: „Du sollst dir kein Gottesbildnis machen“ aus:

    2129 Die göttliche Weisung untersagt jede von Menschenhand angefertigte Darstellung Gottes. Das Buch Deuteronomium erklärt: „Eine Gestalt habt ihr an dem Tag, als der Herr am Horeb mitten aus dem Feuer zu euch sprach, nicht gesehen. Lauft nicht in euer Verderben, und macht euch kein Gottesbildnis, das irgend etwas darstellt“ (Dtn 4,15–16). Der absolut transzendente Gott hat sich Israel geoffenbart. „Er ist alles“, aber gleichzeitig „ist er doch größer als alle seine Werke“ (Sir 43,27-28). Er ist „der Urheber der Schönheit“ (Weish 13,3).

    2130 Doch schon im Alten Testament hat Gott die Anfertigung von Bildern angeordnet oder erlaubt, die sinnbildlich auf das Heil durch das fleischgewordenen Wort hinweisen sollten: beispielsweise die eherne Schlange (vgl. Num 21,4–9; Weish 16,5–17; Joh 3,14–15), die Bundeslade und die Kerubim (vgl. Ex 25,10–22; 1Kön 6,23–28; 7,23–26).

    2131 Unter Berufung auf das Mysterium des fleischgewordenen Wortes hat das siebte Ökumenische Konzil in Nizäa im Jahr 787 die Verehrung der Ikonen, die Christus oder auch die Gottesmutter, Engel und Heilige darstellen, gegen die Ikonoklasten [wörtl. Bilderzerbrecher) verteidigt. Durch seine Menschwerdung hat der Sohn Gottes eine neue Bilder-„Ökonomie“ eröffnet.

    2132 Die christliche Bilderverehrung widerspricht nicht dem ersten Gebot, das Götzenbilder verbietet. Denn „die Ehre, die wir einem Bild erweisen, geht über auf das Urbild“ (Basilius von Cäsarea, Über den Heiligen Geist, 18,45), und „wer das Bild verehrt, verehrt in ihm die Person des darin Abgebildeten (2. Konzil von Nizäa: DS 601; 2. Vat. Konzil, Lumen Gentium, 67). Die Ehre, die wir den heiligen Bildern erweisen, ist eine „ehrfürchtige Verehrung“, keine Anbetung; diese steht allein Gott zu.
    „Die Gottesverehrung wird nicht den Bildern als Ding zuteil, sondern nur insofern sie Bilder sind, die zum menschgewordenen Gott führen. Die Bewegung, die sich auf das Bild als Bild richtet, bleibt nicht in diesem stehen, sondern strebt zu dem, dessen Bild es ist“ (Thomas v. Aquin, s. th. 2–2,81,3, ad 3).“

Es versteht sich, dass in diesem Zusammenhang die Bedeutung des Wortes „Bild“ Ikonen sowie auch Skulpturen umfasst.

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